Die Wahlsiegerin

Laterne_BTW17… ist eindeutig diese Laterne an der Jenaer Haltestelle Beutenberg. Mehr politische Meinungsvielfalt geht nicht.

 

 

Was das Ergebnis betrifft, sorgt ausgerechnet die Globalisierung für Trost. Johan aus Hasselt in Belgien fragt mich, was ich von der Wahl halte: „A move to the right, like in other European countries?“
Während ich noch mit dem Gefühl kämpfe, dass die Thüringer um mich herum ganz besonders unappetitliche politische Ansichten haben, sieht man aus der Ferne, dass es eine Epidemie ist, die sich so langsam über ganz Europa ausbreitet. Das macht es nicht schöner, aber man fühlt sich weniger allein.
Die herrschende Politik mit ihrer Alternativlosigkeit und ihrer Verarmungsstrategie sorgt dafür, dass sich die Leute ausgeliefert und machtlos fühlen. Das macht einfache Antworten attraktiv.
Jena mit 14 % AfD-Wählern liegt knapp über dem Bundesdurchschnitt, aber 7 % unter Gesamtthüringen. Den Jenaern geht es vergleichsweise gut, und wir haben einen extrem hohen Akademikeranteil. Intelligenz hilft zwar nicht immer gegen Rassismus, in der Tendenz aber schon. Vielleicht auch der Umstand, dass man ausländische Wissenschaftler, Studenten, Doktoranden gewöhnt ist und selbst schon einmal Ausländer war – irgendwo auf der Welt.
Rund 4 % gingen bundesweit an „sonstige“ Parteien. Denen die Schuld an der Stärke der AfD im Bundestag zuzuschieben, ist absurd. Die mehr als 13 % Wählerstimmen verdanken wir der Politik der letzten acht Jahre, und ob es noch zwei von den blaubraunen Nasen mehr oder weniger sind, das ist dann auch egal.
Das ist alles nicht schön, aber jetzt muss ich mich erst einmal um das Grünraumkonzept der Stadt Jena, die Fahrpreise im ÖPNV und die Straßenlaternen kümmern. Dinge tun.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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7 Antworten zu Die Wahlsiegerin

  1. Tobias schreibt:

    Leider haben sich die Piraten nicht wirklich am Wahlkampf beteiligt. Und ich kenne auch Menschen, die auf Grund der Prognosen *nicht* die Piraten, sondern eine prognostizierte Bundestagspartei als Stärkung gegen die AfD gewählt haben.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Die Piraten zumindest in Thüringen stecken fast alle irgendwo in Kommunalparlamenten und ackern sich ab. Ich hab zwischen 1 und 3 Sitzungen pro Woche, und mindestens der Stadtentwicklungsausschuss ist mit kiloweise Lesestoff verbunden. Unausgelastete Rentner haben wir bislang nicht. Mit anderen Worten: Wenn wir dazu auch noch einen Bundestagswahlkampf hätten stemmen müssen, wären wir irgendwann tot umgefallen oder in der Klapper gelandet. Wir machen erst einmal das Kommunale ordentlich, und dann sehen wir weiter.

  2. frank111 schreibt:

    Hallo Heidrun, wie du weißt, lese ich deine Texte sehr gerne, aber hier ist mir vieles zu einfach gedacht oder soll ich sagen zu schablonenhaft?
    „Mehr politische Meinungsvielfalt geht nicht.“ Doch, unbedingt. Es fehlt die FDP, die im politischen Spektrum landläufig als liberal gilt (mit allen Licht- und Schattenseiten), es fehlen alle möglichen kleinen Parteien (die Piraten ja auch) und es fehlt die AfD, die irgendwo zwischen rechtskonservativ, rechtsnational oder ganz weit rechts verortet wird. An dieser Stelle beginnen alle weiteren Probleme, insbesondere die gängigen Pauschalisierungen. Alle AfD-Wähler müssen Rassisten sein und „unappetitlich“ und braun usw. Woher weißt du das? Ist das jetzt das übliche „Wer nicht links denkt, muss ein Nazi sein“?
    Ich halte es für völlig normal, dass es in einer Demokratie ein weites Feld politischer Überzeugungen (eigentlich oder besser Lösungsansätze für bestimmte gesellschaftliche Fragen oder Probleme) gibt. Die deutlich schlechtere Alternative wäre, dass alle gleich denken müssen (oder so tun müssen als ob sie gleich denken). Solange der Streit zwischen den Lagern, Ideologien, Meinungen usw. auf dem Boden des Grundgesetzes und der Demokratie erfolgt, ist daran nichts Schlechtes. Es sei denn man bevorzugt den Bürgerkrieg, aus dem nur ein Sieger hervorgehen darf. Ich weiß immer nicht, woher das kommt, Leute nur deswegen zu verunglimpfen, zu beschimpfen oder für weniger intelligent zu halten, nur weil sie nicht der eigenen Überzeugung anhängen oder andere Werte, Überzeugungen usw. haben. Ist es nicht genau diese Arroganz (insbesondere in den Medien), die ein wesentlicher Wahlhelfer für die AfD war?

  3. frank111 schreibt:

    Hallo Heidrun, wie du weißt, lese ich deine Texte sehr gerne, aber hier ist mir einiges zu einfach gedacht oder soll ich sagen zu schablonenhaft?
    „Mehr politische Meinungsvielfalt geht nicht.“ Doch, unbedingt. Es fehlt die FDP, die im politischen Spektrum landläufig als liberal gilt (mit allen Licht- und Schattenseiten), es fehlen alle möglichen kleinen Parteien (die Piraten ja auch) und es fehlt die AfD, die irgendwo zwischen rechtskonservativ, rechtsnational oder ganz weit rechts verortet wird. An dieser Stelle beginnen alle weiteren Probleme, insbesondere die gängigen Pauschalisierungen. Alle AfD-Wähler müssen Rassisten sein und „unappetitlich“ und braun usw. Woher weißt du das? Ist das jetzt das übliche „Wer nicht links denkt, muss ein Nazi sein“?
    Ich halte es für völlig normal, dass es in einer Demokratie ein weites Feld politischer Überzeugungen (eigentlich oder besser Lösungsansätze für bestimmte gesellschaftliche Fragen oder Probleme) gibt. Die deutlich schlechtere Alternative wäre, dass alle gleich denken müssen (oder so tun müssen als ob sie gleich denken). Solange der Streit zwischen den Lagern, Ideologien, Meinungen usw. auf dem Boden des Grundgesetzes und der Demokratie erfolgt, ist daran nichts Schlechtes. Es sei denn man bevorzugt den Bürgerkrieg, aus dem nur ein Sieger hervorgehen darf. Ich weiß immer nicht, woher das kommt, Leute nur deswegen zu verunglimpfen, zu beschimpfen oder für weniger intelligent zu halten, nur weil sie nicht der eigenen Überzeugung anhängen oder andere Werte haben. Ist es nicht genau diese Arroganz (insbesondere in den Medien), die ein wesentlicher Wahlhelfer für die AfD war?

    • Inge schreibt:

      Ich kann mir nicht helfen, ich habe zunehmend ein Problem mit der durch alle politischen Lager gehenden Lobpreisung der Demokratie. Ich habe gerade im neuen Buch des Musikers Dirk Zöllner ein paar kluge Sätze zum Thema gefunden, die ich einfach unkommentiert weitergeben möchte:

      „Meine östlichen Mitmenschen haben sich den Kapitalismus selbst ausgesucht und damit sein unerbittliches Fortschreiten vorangebracht. 1990, in demokratischer Wahl. Oder ist Demokratie vielleicht erst eine Erfindung des Kapitalismus? Von den Kapitalisten zur eigenen Legitimation installiert?

      Ja, Demokratie kann es zum jetzigen Zeitpunkt, beim jetzigen Stand der Evolution nur im Kapitalismus geben! Weil er es sich leisten kann und weil er weiß, dass die Menschen käuflich sind.“

      aus dem Buch »Affenzahn« von Dirk Zöllner

      • Matcha schreibt:

        Das Wort Demokratie in seinem Ursprung der Bedeutung ist allerdings einige Jahrhunderte älter, als das Wort Kapitalismus, was erst kurz vor der Französischen Revolution Eingang in die Gesellschaft fand und mit dem Begriff Capitaliste jemanden umschrieb, der Wertgegenstände besitzt. Kapitalismus als Begriff, wie er in unserer heutigen Zeit benutzt wird, existiert erst seit vielleicht 200 Jahren.

        Von daher wäre eine Demokratie ohne Kapitalismus jederzeit denkbar – der Musiker ist vielleicht auf einem kleinen Irrweg: Schon immer haben Politiker aus allen Bereichen, von Kapitalismus bis Kommunismus, den Begriff Demokratie in den letzten Jahrzehnten für sich in Anspruch genommen und in ihrem Sinne ausgelegt, auch ein Walter Ulbricht sagte: „Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ – dahingehend hat sich nichts geändert. In den drei Besatzungszonen Westdeutschlands und in der russischen Besatzungszone war der Traum von der Demokratie bei den Bürgern vorhanden, er scheiterte offensichtlich in beiden Gebieten, denn das, was Ulbricht aussprach, war nichts anderes als Adenauer dachte und ebenfalls umsetzte – der Rest ist Lernfunktion im Kopf „wir sind demokratisch, die nicht“, das ist Sache der Medien und der Politik mit ihren Organen, dieses Gefühl beim Bürger zu erzeugen.

        Auch was den Satz angeht „Meine östlichen Mitmenschen haben sich den Kapitalismus selbst ausgesucht und damit sein unerbittliches Fortschreiten vorangebracht.“ – möchte ich die „östlichen Mitmenschen“ ein wenig in Schutz nehmen, sie haben es sich nicht ausgesucht, sie begannen einen Weg zu gehen, das ist eine eigene Entscheidung in die Zukunft, dessen Ende nicht planbar ist. Auf dem weiteren Weg bekamen sie etwas übergestülpt, was viele in dieser Form vielleicht gar nicht wollten, aber den Zweifel daran nicht mehr zu Worte bringen konnten. Die westlichen Parteien in ihrer Abhängigkeit vom Kapital mögen Unabhängigkeit nicht so sehr, deshalb wurden von der Westseite die argumentativen Schlüsselpositionen besetzt und medial passend vorangebracht: „Mr. Gorbatschow, tear down this wall“ – ganz im Sinne von „es muß demokratisch aussehen…“. Den wirtschaftlichen Kahlschlag durch Kapitalismus haben „die östlichen Mitmenschen“ weder voraussehen können, noch sich ausgesucht, schon gar nicht bei einer Wahl, wo die politische Schlüsselposition letztlich vorgegeben war. Vorzuwerfen wäre vielleicht, dass sie auf ihrem Weg gestoppt haben und sich zufrieden ausruhten, was ein kapitalistisches System sofort ausnutzt und entsprechend kanalisiert.

    • Max Headroom schreibt:

      „Nein, man muß nicht „rechts“ sein, um die AfD zu wählen. Es reicht, daß man blöd ist.“
      Urban Priol in „Tilt! 2016“
      Die AfD ist keine Lösung, sondern das nächste Problem. Man braucht keine Partei, „die die richtigen Fragen stellt“, sondern eine, die die richtigen Antworten und Lösungen hat.
      Ich kann nicht verstehen, wieso in Bezug auf die AfD so oft nach „demokratischer Toleranz“ gerufen wird, wo jeder die faschistoide Denkweise solcher Organisationen kennt, die nach der Machtergreifung ein Ermächtigungsgesetz erlassen, mit dem sie Demokratie und Toleranz für andere abschaffen. Dann traut sich wieder keiner, das Maul aufzumachen, weil er weiß, er bekommt sofort eine drauf. Auch der Jammer nach dem großen Knall ist dann vorprogrammiert: „Das haben wir nicht gewußt. Das haben wir nicht gewollt.“
      Doch. Haben wir. Wir wollten es nur nicht wahr haben.
      „Den russischen Kommunismus mit dem Nazifaschismus auf die gleiche moralische Stufe zu stellen, weil beide totalitär seien, ist bestenfalls Oberflächlichkeit, im schlimmeren Falle ist es – Faschismus. Wer auf dieser Gleichstellung beharrt, mag sich als Demokrat vorkommen, in Wahrheit und im Herzensgrund ist er damit bereits Faschist
      und wird mit Sicherheit den Faschismus nur unaufrichtig und zum Schein,
      mit vollem Haß aber allein den Kommunismus bekämpfen.“
      Thomas Mann, in: Essays, hg. von H.Kurzke, Frankfurt 1986, Bd. 2, S. 311

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