Ich bin Deutschland

Da die Leitkulturdebatte noch nicht ausgestanden ist …

BundesadlerSolange wir im Lande bleiben, sehen wir vor allem die Unterschiede, die Nuancen, die Regionalismen. Ich frage zum Beispiel alle Welt, wie sie das textile Dingsbums nennen, mit dem sie den Fußboden säubern. Es gibt sogar Forschungsprojekte zu diesem Thema.
Wenn man wissen will, wie man ist, muss man ins Ausland. Die erklären einem das.
Deutsch hört sich an wie Männer, die zu Marschmusik marschieren, sagte mein französischer Kollege. Und Französisch, erwiderte ich, als sei einer draufgetreten. Worte haben die Deutschen! Er hatte mein Wörterbuch erwischt. Schuttabladeplatz! Wie kann man solche Worte machen? Was heißt das, fragte ein anderer. Place d’ordures. (Warum klingt das französische Wort für Müll so sehr nach Ordnung?) Kannst du Bayrisch? Nein, ich bin aus Sachsen. Sächsisch? Ja, klar, ich kann nichts anderes.
In Deutschland kann man auf den Autobahnen so schnell fahren, wie man will, wissen sämtliche amerikanischen Kollegen. Ja, im Prinzip schon, sage ich, es sei denn, da ist eine Baustelle, und man schleicht mit 60 dahin. Kilometer, nicht Meilen. Einer will wissen, wie man „Schatzi“ schreibt. Er hat einen dachshund. Ein anderer kriegt sich nicht ein, weil er mich morgens gegen halb 7 beim Joggen gesehen hat. Du läufst? Auf der Straße?! Äh, ja, und kein Mensch überfällt in den USA Jogger, weil man Angst hat, sich mit Wahnsinn anzustecken.
In Katalonien verkaufen sie ensalada alemana. Oder so ähnlich. Josep und seine Freunde erklären mir, was da drin ist: Bratwurst, Kartoffeln, sauer eingelegte Zwiebeln … Bei uns gibt es so etwas nicht, sage ich, und wir lachen. In Katalonien haben sie übrigens Bratwurst, und wenn es kein Sakrileg wäre, würde ich sagen, dass sie mit der Thüringer durchaus … Nein, ich will weiter hier leben.
In den USA halten sie deutschen Kaffee für eine akute Gesundheitsgefahr. In Frankreich erklärten sie mir, es gäbe den dünnen deutschen Kaffee, den gemeingefährlichen katalanischen und den normalen französischen dazwischen.
Ihr gebt euch die Hand? Auch Frauen untereinander? Wirklich? Die Frau eines anderen französischen Kollegen schaut mich entgeistert an. Äh, ja. Tun wir. Nach drei Monaten habe ich mich an die symbolischen Küsse gewöhnt.
Die afghanische Ingenieurin schraubt mit der gleichen Begeisterung im Fernseher herum wie ich. Keine Pointe. Ingenieure aller Länder, schraubt zusammen, was zusammen gehört. Die koreanischen Manager fühlen sich von mir als Frau beleidigt. Die japanischen übersehen mich ganz einfach – in einem Abstand von einem halben Meter.
Der Neuseeländer, der uns zum Einstieg des Wanderweges über den Tongariro bringen wird, arbeitet seine Frageliste ab: Feste Schuhe? Wir nicken. Wasser? Nicken. Regenfeste Kleidung? Nicken. Nahrung? Er schaut hoch, schüttelt den Kopf. Was frage ich eigentlich? Die Deutschen sind immer gut organisiert. Wenn man irgendwo mehr als drei Kilometer zu Fuß gehen muss, sind 90 % der Leute, die man trifft, Deutsche. Überall auf der Welt.
Die chinesischen Lieferanten halten mich für grob unhöflich, weil ich ohne mit der Wimper zu zucken „ja“ und „nein“ sagen kann. Aber die Putzfrau ist noch verwirrter, weil ich sie jeden Morgen grüße. Ich bin riesengroß, habe eine spektakuläre Haarfarbe und unglaubliche Augen. Ich bin eine Sehenswürdigkeit.
Die Belgier halten mich für ihresgleichen, wenn auch mit einem leichten Sprachproblem. Sie amüsieren sich köstlich über meine Versuche, aus ihrem Flämisch schlau zu werden. Für einen Moment bin ich Teil einer westlichen Wertegemeinschaft, die meint, man müsste die Rechte der arbeitenden Bevölkerung unbedingt schützen.
Der Hostelbesitzer in Island strahlt mich an. Du hast einen isländischen Namen! Ich bin Deutschland. Oder vielleicht doch Island.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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9 Antworten zu Ich bin Deutschland

  1. Ossiblock schreibt:

    Vielleicht sollte man berücksichtigen, wo die eigenen Wurzeln sind. Meine Eltern wurden während des WK II geboren. Mein Vater in Kurken, Ostpreußen, Masuren. Heute ist das Polen. Weißrussland, Litauen und Kaliningrad sind nur einen „Steinwurf“ entfernt.
    Meine Mutter ist in Schlesien geboren. Nähe Breslau. Heute auch Polen.

    Ich bin in Vorpommern geboren, wo der Bollerwagen der Flüchtlinge anhielt und es nicht weiter ging. Ohne diesen WK II würde es mich gar nicht geben. 😉

    Namen sind Sprache. Mein Nachname läßt die Herzen aller Armenier höherschlagen. Aber auch die Holländer sind entzückt.

    Deutsche Leitkultur?

    Ich kann mich mit Russen, Rumänen, Ungarn oder Tschechen besser unterhalten, als mit den abgenutzten Westdeutschen.

    Diese ganze Debatte ist wirklich dumm – denn sie führt zu nichts.
    Dazu bitte dies lesen:https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkultur

    Wir identifizieren uns über unsere Erfahrungen und Erlebnisse.

    Und nur die Sprache trennt uns. Jenseits der Sprache ist nichts.

    Beste Grüße

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Ich glaube, man muss zwei Dinge auseinanderhalten. Das eine ist die normative Leitkultur, die Anpassung und Ausrichtung fordert. Die ist offensichtlich blödsinnig. Das andere ist die Frage: „Wie sind wir eigentlich?“ Die finde ich hingegen spannend, und ich finde es spannend, was andere über die Deutschen denken. Ich bin viel unterwegs, manchmal mehr, als mir lieb ist, und mir unterläuft auch immer wieder ein „Die XXX sind eben so.“ Das ist zwar ein Klischee, aber ich glaube nicht, dass es mich grundlos befällt. Es gibt kulturelle Eigenheiten, auch bei Deutschen, aber die sind eher unter der Oberfläche und absolut ungeeignet, um sie irgendwie zur Norm zu machen.
      Gibt es etwas, was uns verbindet? Verbindet uns mit anderen Deutschen mehr als mit anderen Europäern? West oder Ost? Das sind in meinen Augen legitime Fragen, mit denen man sich als Soziologe oder rein privat durchaus beschäftigen kann, solange man nicht versucht, die Menschen der Lehrmeinung anzupassen.

      • Ossiblock schreibt:

        Nö. Es gibt keine Lehrmeinung.

        Bisher habe ich nur gelesen, was Unwissende über die BRD äußern. Ich bin nicht so, wie Amis, Japaner oder andere sich das vorstellen. Ich habe keine Lederhosen und fresse keinen Labkaus. Ich habe auch keine Narrenkappe.
        Und auch wie Japaner, Chinesen und Araber sich benehmen, hat doch nichts mit dem angeblichem Deutschsein zu tun.

        Die Leidkulturdebatte hat auch nichts damit zu tun, was andere so vermuten.
        Irgendwie geht das alles am Thema vorbei.

        Irgendwelche Leute wollten mal erzählen, was typisch Deutsch ist. Also Leidkultur.

        Aber in Deinen beiden Beiträgen (und auch den Kommentaren) wird ein völlig anderes Thema angesprochen.

        Vielleicht stimmen Deine Überschriften nicht …

        Beste Grüße 😉

  2. Pingback: Leidkulturdiskussion | Ossiblock

  3. Evelyn schreibt:

    Ich mag es, wenn mit Respekt und Freude aneinander Unterschiede entdeckt werden.

    Negative Wendung: Über die Jahrzehnte hat sich einiges verändert, werden regionale Mundarten in Deutschland schon als schützenswert deklariert, um Kultur zu bewahren …
    Positive Wendung: Vor 20 Jahren wurde ich von deutschen Männern noch bei Netzwerktreffen übersehen. Im wahrsten Sinne des Wortes schauten sie über mich hinweg, bin ja nicht groß, reagierten auf japanische Art und Weise mit Ignoranz …

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Da tut sich was … Wenn klar ist, dass ich nicht die Sekretärin bin, ist es ziemlich schwierig, mich zu übersehen. In der Regel bin ich die einzige Frau in der Runde. In Deutschland, USA und China hatte ich noch nie das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Da gibt es zwar ignorante Einzelstücke, aber die sind vielleicht auch Männern gegenüber Idioten.

  4. Matcha schreibt:

    Stimmt schon, die japanische Art der Zurückhaltung bei Erstbegegnung wird mangels Erfahrung immer gern mit Ignoranz oder Arroganz verwechselt. Da schenkt man beispielsweise dem Japaner was und der legt das Geschenk achtlos zur Seite … da wird man dem Japaner vorgestellt und der geht achtlos an einem vorbei … tja, so ist das mit der deutschen Erwartungshaltung …

    An der Yis – Yokohama International School – gibt es jährlich eine gemeinsame Veranstaltung von Schülern, Eltern und Lehrern, ausgerichtet von den Schülern. Ich bin da öfter Gast, weil ich mal dort Unterricht gegeben habe. Vor vier Jahren war auch die deutsche Botschaft involviert, wollte sich unbedingt über das Goethe Institut zu Wort melden und hat als einzige aller Botschaften aus den beteiligten Ländern, immerhin 50 an der Zahl, eine Diskussion unter den Schülern ausrichten wollen, wo es um (politische) Vorgaben ging, auf was so bei euch in Deutschland aktuell, nicht kulturell, herumgeritten wurde – nur wollte da keiner der internationalen Schüler mitdiskutieren, außer drei deutschen Eltern und so beantragte die deutsche Vertretung eine Durchsetzung ihrer „Diskussionsziele“ über die Lehrerschaft der Schule, was diese und die PTA (Parent-Teacher-Association) abgelehnt haben, es folgte Schmollmund der deutschen Eiferer mit anschließend direkter Störung des Festes – die Jahre darauf wurde die Botschaftsvertretung nebst Goethe Institut gebeten, auf eine weitere Teilnahme in dieser politischen Form zu verzichten.

    Erwartungshaltung und Ignoranz.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Also … Die japanischen Manager kommen zwecks Begutachtung eines Versuchsaufbaus mit einem neuen Projektor ins Labor eines deutschen Ingenieurs. Das Labor ist nicht sehr groß. Da es sich um einen extrem weitwinkligen Projektor handelt, ist der Projektionsabstand ausgesprochen klein – alles spielt sich auf weniger als einem Meter ab. Die Japaner stellen Fragen, aber nicht etwa dem Ingenieur, der das Ding bedient, sondern ausschließlich den männlichen Anwesenden. Der Ingenieur wird geradezu angestrengt ignoriert – kein Blick, kein Wort, kein freundliches Nicken, nichts. Sie nehmen ihn nicht wahr, obwohl sie keinen halben Meter entfernt stehen, und er ihnen ausweichen muss, damit sie unmittelbar an das Bild herantreten können. Sie lassen sich bestimmte Testbilder zeigen. Das heißt, sie sagen den männlichen Anwesenden, was sie gern sehen möchten, die das wiederum dem zuständigen Ingenieur sagen, was völlig unnötig ist, da der ja auch zwei Ohren hat. Es war auch völlig eindeutig, dass nur einer mit der Kiste umgehen konnte.
      Einziger Unterschied zwischen Ingenieur im Labor und Entourage der Japaner: Der Ingenieur ist weiblich. Es fällt mir sehr schwer, das als „Zurückhaltung“ einzustufen. Ich habe gute Miene zum miesen Spiel gemacht. Es waren schließlich potentielle Kunden, die zwar von meiner Arbeit, nicht aber von mir beeindruckt waren. Aber wenn ich gekonnt hätte, hätte ich ihnen gern vors Schienbein getreten, um das Erstaunen in ihren Gesichter zu sehen: Was, das Möbelstück ist zu eigenständigem Handeln fähig?!
      Vielleicht kann man ja auch von Japanern ein Minimum an kultureller Sensibilität erwarten? Ich habe mich selten so missachtet gefühlt. Nicht einmal die Koreaner haben mein Labor ohne ein „Thank you“ verlassen, und die haben auch erhebliche Schwierigkeiten, die Vorstellung von weiblichen Ingenieuren in ihre Schädel zu kriegen.

      • Matcha schreibt:

        Ja, Deine Beschreibung sagt mir, dass es nichts mit Dir zu tun hatte, das wäre auch einem männlichen „Möbelstück“ passiert. Es hatte tatsächlich was mit Höflichkeit zu tun, auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt verständlich ist und somit unhöflich erscheint.

        Ich will Dich hier nicht in Deinem Blog mit Japan zumüllen, aber lass mich ein paar Dinge erzählen, die es ein wenig erhellen könnten – mir fehlen natürlich Informationen über die japanische Seite, um es ganz genau sagen zu können.

        Wäre Dein Vortrag schlecht gewesen, hätten sie Dich direkt gefragt. Da Dein Vortrag offensichtlich gut und verständlich war, wurden die wenigen Fragen, die nur aus Höflichkeit und Vorbereitung kamen, über die Delegationsbegleitung gefragt, ohne den „Vortragenden mit solchen Sachen weiter zu belästigen“.

        Als ich vor 30 Jahren nach Japan kam, gab es dort noch keine Möglichkeit, seine wissenschaftliche Arbeit in anderen Sprachen abzugeben, es musste die japanische Sprache sein. Die Bahnhofsnamen, Häuserblocks, wichtige Hinweise und anderes waren noch nicht in Romaji untertitelt – also nicht wie in der heutigen Zeit, wo so ziemlich alles und überall mehrsprachig ausgeschildert ist. Und an den Unis können Dissertationen nun seit Jahren auch in der eigenen Sprache abgegeben werden, damals nicht. Sie stellten mir eine Sprachlehrerin zur Seite, die mich immer dann heftigst kritisierte, oder auch einfach schwieg und mich übersah, wenn ich eine gute Arbeit erledigt hatte. Und meine Fehler zu korrigieren pflegte, ohne eine weitere Diskussion, wenn die Arbeit und das Gelernte weitgehend richtig war – war das Ergebnis dagegen mies, wurde ich gelobt und bekam direkte Ansprache; ziemlich üblich in Japan.

        In meiner Leitungsfunktion bei den Katastrophenhelfern hatte ich eine Austauschhelferin aus Übersee. Zu ihrer Hilfe bei Fragen im täglichen Lebensbereich und auch als Übersetzer, stellte ich ihr einen aus meiner Einheit zur Seite – so wie es hier üblich ist, wird man umsorgt, wenn man fremd im Land ist, der Betrieb ist für den Unkundigen verantwortlich und steht für Fehler ein, nicht die Bewohner des Landes. Wir hatten ein Treffen mit einer anderen Einheit und besagte Dame sagte zu ihm: „Ich habe nicht viel verstanden, aber so ruhig, wie sich unser Chef und der andere bei dem wichtigen Thema unterhalten haben, bemerkenswert.“ – daraufhin die Antwort: „Ja, ich bin ziemlich im Stuhl versunken vor Schreck und alle anderen auch, denn die Beiden haben sich mächtig gezofft, es war wirklich übel.“ – für sie führten wir eine kultivierte Diskussion, für die Japaner ging es bereits heftig zu.

        Die japanische Verhandlungsweise ist grundlegend anders, als es in Deutschland der Fall ist, da Japaner gerne in „guter Stimmung“ der Beteiligten verhandeln und auch die Gepflogenheiten des anderen Landes annehmen möchten, geraten sie im Ausland oft in für sie unangenehme Situationen, die sie eigentlich vermeiden möchten. Sie wissen, dass in Deutschland eher direkt geredet wird, etwas, was sie allerdings gar nicht mögen – sie haben also eine Zwickmühle: einerseits möchten sie höflich die landesübliche Verhaltensweise des Gastgebers berücksichtigen, andererseits befürchten sie Fehler und Missverständnisse, das mögen sie überhaupt nicht; die gute Stimmung wäre eingetrübt, was zu vermeiden ist. In dieser Unsicherheit greifen sie oft auf ihre Gruppenbindung zurück und folgen, wie im Urlaub, dem Tourguide und beachten alles andere nicht. Der Tourguide ist ihr Übersetzer, Erklärer, für alles verantwortlich und somit Ansprechpartner und das sind in Deinem Fall Personen, welche die japanische Gruppe durch den fremden Betrieb führen, jedoch nicht der Vortragende.

        Ich gehe davon aus, dass in der deutschen Begleitung bei der Führung durch den Betrieb auch die deutsche Managerebene vertreten war und somit wäre es extrem unhöflich, diese Personen zu übergehen und Fragen direkt an den Vortragenden zu stellen – außer der Vortragende schießt einen Bock, dann gibt es die höfliche Nachfrage, um die Möglichkeit zu geben, den Fehler zu erkennen und zu korrigieren, was wohlwollend zur Kenntnis genommen würde.
        Obwohl ich selbstredend gerne dabei gewesen wäre, wenn „das Möbelstück“ den Japanern vors Schienbein getreten hätte, die Situation wäre genial geworden – lad mich beim nächsten Mal ein, die Kiste wäre absolut sehenswert, insbesondere die Reaktion der Japaner wird mich für Jahre zum Schmunzeln bringen. Nun gut, ich kenne das Ergebnis: Die überbordende Aufmerksamkeit, die Du sofort erhalten würdest, könnte Dir sicherlich Freude bereiten, dass man Dich dann beachtet und Dir Lob zollt, sicherlich auch – Japaner sind dahingehend sehr gute Schauspieler, Du bekommst dann, was Du hören möchtest, kein Problem.

        > Es waren schließlich potentielle Kunden, die zwar von meiner Arbeit,
        > nicht aber von mir beeindruckt waren.

        Aber es ging doch um Deine Arbeit und die Firma, den Vertragsabschluss, oder? Die Gruppe zählt für Japaner, nicht die Einzelperson. Und Du hast die Firma, also Deine Gruppe, bestens vertreten, ohne eine One-Woman-Show zu liefern, wo es um Aufmerksamkeit für Dich als Vortragende ging. Japaner führen erst die Verhandlung und blenden dabei alles andere aus, nach Abschluss gibt es die Party und das wirklich ehrliche Lob für die Arbeit.

        Es gibt selbstredend noch solche alten Knochen, die Frauen als Gesprächspartner übersehen möchten. Meine Frau führt einen Betrieb und einer ihrer Kunden war von diesem alten Schrot und Korn, was über die Zeit eigentlich längst vermahlen wurde, aber noch meint, es wäre gut dabei. Sie treten gewöhnlich einzeln auf und nicht in Gruppe. Er mochte als Kunde mit ihr als Chefin nicht reden, sie rief dann immer bei mir an und fragte: „Bist Du in der Nähe? Wir haben Theateraufführung.“ – sie stand damals brav mit einem unserer Kinder auf dem Arm hinter mir und nickte artig zu der Verhandlung. Der alte Herr überschüttete sie anschließend mit Geschenken, die Kinder bekamen auch was, doch mit mir als damaligen Ausländer wechselte er keinen Blick mehr. Bei 80% aller Familienbetriebe, wo die Frauen die Leitung haben, wenn es nach außen auch anders aussehen mag, möchte ich den Mann sehen, der da was „übersieht“. Geh zu den Fischern am Hafen, frag den Mann, ob er was Spezielles hat, du bekommst nichts, frag danach seine Frau, anschließend schüttet er dir die Tüte mit Fischen voll, die er vorher nicht hat geben wollen. Geh also gleich zur Frau und frag sie direkt? Du bekommst nichts, weil du ihn nicht angesprochen hat, das mag sie nicht.

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