Störrische Wähler

Diese zauberhafte Solidaritätsbotschaft mit Katalonien hängt in Rudolstadt.

Katalonien hat gewählt, und wenig verblüffend haben die Independistas wieder die Mehrheit in der Generalitat, auch wenn der spanische Staat erkennen lässt, dass er notfalls solange gewählte Abgeordnete ins Gefängnis werfen lässt, bis die gewünschte Zusammensetzung des Regionalparlaments erreicht ist. Diese Demokratiesimulation ist bizarr.
Noch unglaublicher allerdings ist die Reaktion der meisten deutschen Medien darauf. Die lassen erkennen, dass sie vor allem eines wollen: Ruhe im Karton. Mehr oder weniger schreiben alle, da hätte man dem Volke noch eine Chance gegeben, seinen Irrtum einzusehen und zur Volksamkeit zurückzukehren, aber die Katalanen hätten es versemmelt. Jetzt wäre es ach so schwierig, eine Regierung zu bilden. Es würde alles zum Stillstand kommen – vermutlich wird morgens nicht einmal mehr die Sonne aufgehen. Das Volk hatte die Chance, die verfahrene Situation aufzulösen, indem es das wählt, was seine Regierung gern hätte. Das kann man vom Volke doch verlangen, oder? Aber nein, das Volk stellt sich stur und wählt einfach die, von denen es regiert werden möchte. Die deutschen Qualitätsmedien barmen.
Tja, man nennt diese Staatsform Demokratie. Das heißt: Das Volk schreibt, und zwar Kreuze auf Wahlzettel. In Spanien ist Demokratie mehr so eine unverbindliche Empfehlung. Wenn die Katalanen wählen, was Mariano Rajoy vom Partido Popular und seine Hintermänner möchten, dann folgt man ihrem Votum. Wenn nicht, dann wird gemacht, was Madrid will. Diesen Zustand könnte man nüchtern feststellen. Man könnte ihn sogar kritisieren und sich freuen, dass der PP dafür zur Splitterpartei mit ganzen 3 Abgeordneten geschrumpft wurde. Ein Kompromiss ist nicht, dass einer der Partner zu Kreuze kriecht.
Was offensichtlich nicht geschehen wird. Die Katalanen stellen sich mit gelben Zipfelmützen (Gelb ist die weitgehend mit einem Bannfluch belegte Farbe der Solidarität mit den politischen Gefangenen) vor das Gefängnis und singen Weihnachtslieder. Es ist absurd, daraus einen Aufruhr zu konstruieren. Der spanische Staat wird mit Weihnachtsliedern bedroht. Zu Hülf! Wir hatten da einen ähnlichen Fall. Wenn das Volk erst einmal zu tausenden auf die Straße geht, „Keine Gewalt!“ ruft und Lieder singt, dann hat die Regierung verloren. Sie weiß es nur noch nicht.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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