Angewandte Physik 5: Die Öko-Leuchte

Wenn man einmal anfängt, sich mit etwas näher zu beschäftigen … wird man nicht fertig damit.
Zu Weihnachten liegt man ja gern faul vor dem Fernseher. Da kam eine Reportage über die finsteren Gegenden der Erde. Ein Mensch, der auf Spitzbergen lebt, erklärte, im Winter sei es ja nicht dunkel. Es gäbe schon Licht: „Der Mond ist unsere Sonne.“ So hatte ich das noch nicht gesehen. Aber ich hatte vor einiger Zeit gelesen, früher habe man die Straßenlaternen bei Vollmond nicht angezündet, weil es hell genug war.

Mondlicht

Das ist zwar nicht die Ammerbacher Platte bei Jena, aber Vollmond. Man beachte die Schatten im Vordergrund.

Gestern war beinahe Vollmond, und natürlich musste man in tiefer Nacht in Richtung Ammerbacher Platte wandern, um von da oben das Feuerwerk zu beobachten. Es war hell. Im Winter steht der Mond besonders hoch und leuchtet deshalb besonders effizient. Im weltweiten Netz finden sich verschiedene Angaben, aber vermutlich knallten da etwa 0.27 lx auf den Boden. Pfützen, Steine, Gras – alles bestens sichtbar. Selbst Gesichter kann man mühelos erkennen. Wir leben seit Jahrmillionen mit dieser Beleuchtung, und das Auge hat gelernt, jedes Photon zu verwerten. Das Einzige, was bei Mondlicht nicht funktioniert, ist das Farbsehen. Das, behauptet eine Quelle im Netz, funktioniert ab etwa 3 lx. Unter den Lichtenhainer Straßenlaternen, die etwa 25 lx auf die Straße feuern, ist es kein Problem. Für die Rechenschwachen: Das ist nicht ganz das Hundertfache des Mondlichts. Die DIN für Straßenbeleuchtung – so etwas gibt es natürlich – schreibt ganze 5 lx für eine Anwohnerstraße mit wenig nächtlichem Straßenverkehr vor.
Erstaunlicherweise waren die meisten Leute mit Photonenkanonen unterwegs. Das nützt zwar nichts, macht aber blind für alles außerhalb des Lichtkegels. Moderne Taschenlampen haben schon mal 100 Lumen. Wieviel Lux das entspricht, hängt von der Entfernung zur beleuchteten Fläche ab. Leuchtet man vor sich auf den Weg, können das gut 20 lx werden. Gestern waren sie völlig unnötig, aber die Bevölkerung hat schon brav gelernt, dass man nachts nicht ohne elektrisches Licht überleben kann. Wenn sie ganz vorbildlich sein will, dann nimmt sie natürlich Elektronen aus bestem Solarstrom dafür, also Sonnenenergie.
Was exakt das ist, was auch der Mond tut, nur ohne die verlustreiche Umwandlung in Elektronenergie zwischendrin. Ökologisch verträglicheres Licht gibt es nicht.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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