Die grüne Oase

Geradezu euphorisch berichtete in dieser Woche die Lokalpresse, in Jena, wo sonst vor allem abgeholzt und gepflastert wird, habe man eine neue grüne Oase geschaffen, einen sogenannten „Pocket Park“ in einer Baulücke.

PocketPark0

Ich dachte an Cahors und seine geheimen Gärten, die aus jeder noch so kleinen Lücke wuchern. Das gibt es jetzt in Jena? Das musste ich sehen, und ich war nicht allein. Ich konnte beobachten, wie immer wieder Bürger zielgerichtet der Oase zustrebten, sichtlich verwundert stehenblieben und schließlich kopfschüttelnd weitergingen.
Denn die grüne Oase sieht so aus:

PocketPark1

Gutwillig könnte man annehmen, dass die Gerüste mit Turnhallen-Charme berankt werden sollen. Nicht weit davon gibt es vor dem Kino eine Pergola, die berankt werden sollte. Ein gutes Referenzobjekt. Es ist ein Monstrum aus orangeroten Stahlsäulen, und im Sommer kriecht der Knöterich etwa das untere Viertel hoch. So ist das seit ungefähr 20 Jahren. Aber das ist nicht der eigentliche Witz. Die Sitzflächen – natürlich ohne Lehne – sind durch ein ordentlich verschlossenes Gitter vor missbräuchlicher Benutzung geschützt. Könnte ja sonst sein, da setzt sich einer drauf und nutzt das Kunstwerk einfach so ab. Immerhin: Es lädt zur Betrachtung ein. Vielleicht sollte man noch ein Schild anbringen: Bürger müssen draußen bleiben.

PocketPark2

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Biotope, Das Universum & der Rest, Jena abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Die grüne Oase

  1. Evelyn schreibt:

    Das Foto mit diesen fünf Männern von Welt drückt die Verhohnepiepelung der Jenaer Bevölkerung perfekt aus.

  2. Matcha schreibt:

    Das Foto mit den fünf Hiwis aus dem ÖffDi erinnert mich irgendwie an Berthold Brecht: „Caesar eroberte Gallien. – Er allein? – Hatte er nicht wenigstens einen Koch dabei?“

    Bezeichnend, dass da fünf Jenaer Schildbürger freudig in die Kamera schauen, nur der Koch, ah, die eigentlichen Baumpflanzer, die geschaufelt und geackert haben, die fehlen. Es braucht lediglich einen netten Begriff wie Pocket Park, um fünf Personal-Vanity-Showbizler auf ein Foto zu bekommen. Wie wäre es mit einem „Urban Gardening Pocket Park“?

    Immerhin, etwas Licht bekommt das Bäumlein, da brauchen die Stadtoberen nicht erst Sonnenlicht in Säcke füllen und zum Baum tragen. Und so gut umschlossen von Gittern ist er auch, kann er nicht flüchten, um sich zu seinen Artgenossen im Wald zu gesellen – Knast für einen Baum.

    Warum hat die sonst so tapfere Piratin das Bäumchen nicht ausgegraben und mit nach Schottland genommen, um es neben die bunten Schafe zu stellen? Die hätten sich so gefreut, statt in der sengenden schottischen Sonne liegen zu müssen, ein wenig Schatten…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Auch wenn das hier ein bisschen anders aussieht: So wäre es nicht gegangen. Man hat den Baum erst gepflanzt, als ich aus Schottland zurück war, und so viel Urlaub habe ich leider nicht, dass ich schon wieder dahin fahren könnte.
      Das mit der sengenden schottischen Sonne … sagen wir so: lässt sich bei 15°C aushalten. Ich habe nirgends Schafe mit Sonnenstich gesehen. Die gucken immer so belämmert, auch bei Dauerregen.

  3. Holger Herrmann schreibt:

    Die Pflanzen stehen in einem Substrat aus Split. Die Anlage hat wohl 160.000 Euro gekostet.
    Es gab Fördermittel. Eigentümer der Anlage ist die Sparkasse.
    Es gab schon mal ein ähnliches Foto.
    https://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Ein-wachsendes-Denkmal-in-Jena-Drei-Baeume-fuer-die-deutsche-Einheit-gepflanzt-917129816
    Die Deutsche Eiche ist inzwischen eingegangen, soll aber auf mein Betreiben hin im Oktober nachgeplanzt werden sagt Herr Philler auf FB Jena Lichtstadt, – das mit dem Pflanzen.

  4. Stadttaube schreibt:

    Man kann sich sehr wohl auch dort hinsetzen. Vielleicht will man aber explizit Piraten fernhalten. Wenn man sitzt, träumt man unwillkürlich von der weiten Welt: „Ich war noch niemals in NY“ – besonders in der Süd-Bronx sieht es auch so aus, wie oben auf den Fotos.

    Wir sollten nun eine Umfrage machen, wie der neue Platz heißen soll:

    Vorschlag
    – Park-Bank-Oase (sozialer Treffpunkt: nicht alle können sich die Deutsche Bank oder die Sparkasse daneben leisten und die Montagsdemos könnten hier auch stattfinden)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s