Uibhist a Tuath: Früher war’s wärmer

Ihr kennt das: Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Galerie.

Meine inzwischen drei Schottland-Reiseführer sind merkwürdig einsilbig, wenn es um die Äußeren Hebriden geht, selbst der, der sonst jede Hundehütte auflistet.
Uibhist a Tuath ist sich nicht sicher, ob es lieber Land oder Wasser sein möchte. Selbst auf Hügeln steht man unversehens bis zum Knöchel im tiefbraunen Wasser. Man hat das Gefühl, das Land gibt es überhaupt nur, damit die zahllosen Lochs und Löchlein nicht auslaufen. Leider geht damit ein Mangel an Wanderwegen, die man ohne Gummistiefel bewandern kann, einher.
Erstaunlicherweise war die Gegend schon in der Steinzeit bewohnt. Es soll damals wärmer gewesen sein. Vielleicht hat man damals auch die Strände angelegt. Die Loseblattsammlung im Tractor Shed, einer Mischung aus Hostel und Campinghüttenplatz, vermerkte etliche Überbleibsel aus der Vorzeit. Einfach so drauflos fahren und hoffen, dass die Dinger schon ausgeschildert sein werden, ist der falsche Ansatz. Es ist sehr wenig ausgeschildert, und Parkplätze am Straßenrand sind auch eher Zufall. Am besten, man sucht sich die genaue Position auf https://www.visitouterhebrides.co.uk/see-and-do/culture-and-heritage/archaeology heraus oder schleppt die Beschreibung des Tractor Shed mit.
Da wäre zum Beispiel der einzelne Standing Stone auf einem Hügel an der Commission Road, der Straße quer über die Insel. Er wirkt ein wenig betrunken; zumindest hat er Probleme mit dem Aufrechtstehen. Aber er hat einen grandiosen Ausblick. Geselliger sind Finn’s People oder auch Piobull Fhinn, eine Steinsetzung am Rande des Loch Langais. Besonders beeindruckend sind sie allerdings nicht. Statt ordentlich im Kreise zu stehen, machen sie anscheinend gerade Rauchpause.
Es gibt eine Reihe von Cairns, Hügelgräbern. Barpa Langais ist sogar beschildert und hat einen Parkplatz, aber vor ein paar Jahren ist die Decke eingestürzt. Deshalb kann man heute nur bedächtig rundherum laufen und die ebenfalls grandiose Aussicht genießen. Die Toten hatten einen schönen Blick, nur windig war es da oben. Zwischen Malacleit und Griminish findet man auch noch die Reste eines Wheelhouses, eines runden steinzeitlichen Hauses, das früher mal ein hohes Kegeldach gehabt haben könnte. Das Spannendste da ist allerdings der Weg über die Schafweide, denn die Mauerreste sind von Brennnesseln überwachsen.
Mehr zu sehen gibt es am Dun an Sticir. Uibhist ist voll mit dem, was man anderswo crannogh nennt, dort aber dun. Das sind kleine künstliche Inseln mitten in einem Loch, wo die Urahnen zu leben pflegten. Wer ihnen auf die Pelle rücken wollte, musste durchs Wasser. Die meisten sind unauffällig und könnten ebensogut natürlichen Ursprungs sein. Zum Dun an Sticir kann man über einen Dammweg hinüberlaufen und die Reste der Ruine bewundern, die bis ins Mittelalter bewohnt wurde. Es ist ein inverser Burggraben. Das Wasser war schon da, und man hat die Burg in die Mitte gezimmert.
Schließlich wäre da noch der Scolpaig Tower, der zwar irgendwie mittelalterlich aussieht und auf einem Dun steht, aber erst im 19. Jahrhundert als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gebaut wurde. Da er keinen wirklichen Zweck hat, verfällt er langsam. Einen Weg gibt es natürlich nicht, nur ein paar Schafe, die einen neugierig beäugen, wie man das tägliche Paar nasser Socken erzeugt.
Mitunter wünscht man sich die liebevoll befestigten und beschilderten Wege, die es in Skandinavien gibt. Auch ein gelegentliches Klohäuschen wäre nett. Aber andererseits ist die fehlende touristische Infrastruktur der sicherste Schutz gegen Touristenherden.

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Biotope, Das Universum & der Rest abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s