Alle Jahre wieder

„Wir sind ein Volk.“
„Mir och.“
Das ist ein Witz aus den 90igern, als man noch dachte, man könnte über die deutsche Vereinigung Witze machen. Inzwischen versucht man nicht einmal mehr das.
Sie feiern wieder und halten salbungsvolle Reden. Aber wenn der Osten nicht so funktioniert, wie es erwartet wird, also ein bisschen jämmerlich, ärmlich und peinlich, dann graben sie sofort die DDR aus. Ich glaube, das werden sie tun, bis der letzte DDR-Bürger im Grab liegt. Weil es nicht sein kann, dass die Ursache irgendwo in den letzten 28 Jahren liegt.
Auch die Nachrichtensendung im Staatsfunk reduziert das verlorene Land ganz schnell auf Stasi und verfolgten Künstler und Neuntklässler, die versuchen, eine angepasste Meinung dazu zu haben. Und solange man das tut, solange wird nichts zusammenwachsen. Sie reden nie über die Berufsverbote, sie reden nie darüber, dass bis heute Leute vom Verfassungsschutz überwacht werden, obwohl man ihnen nicht mehr als eine politische Haltung vorwerfen kann. Unter den Berufsverbotsopfern waren radikale Pazifisten, die einfach nur der Militarisierung des deutschen Westens im Wege standen. Man erzählt Schauergeschichten über Kinderheime in der DDR und kehrt die Schauergeschichten aus den Kinderheimen der BRD unter den Teppich. Eine Teenager-Schwangerschaft konnte im Westdeutschland der 50er Jahre direkt ins Erziehungsheim führen. Erzählt mir was von Unrecht …
Sie sehen den Splitter im Auge der Ostdeutschen, nicht aber den Balken im eigenen.
In München gehen Zehntausende gegen die Verschärfung des Polizeigesetzes auf die Straße, das unter anderem praktisch unbegrenzte Vorbeugehaft ermöglicht, also das Einsperren von Leuten, die nichts Kriminelles getan haben. Man nennt sie gefährlich und sperrt sie ein. So einfach geht das 2018 in Deutschland. Aber immerhin – es gehen Zehntausende auf die Straße. In Bayern. Das ist, glaube ich, die einzige sinnvolle Art, diesen absurden Feiertag zu begehen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Alle Jahre wieder

  1. Don_A schreibt:

    „Sie sehen den Splitter im Auge der Ostdeutschen, nicht aber den Balken im eigenen.“
    Das ist Methode: teile und herrsche….

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Ich meine ja eher, das ist die perfekte Ausrede für alles, was in den letzten 28 Jahren vor die Wand gegangen ist. Der Verfassungsschutz schützt über Jahre faschistische Mörder? Schlimm, aber als es noch die Stasi gab … Und überhaupt wären aus denen doch niemals Rechtsradikale geworden, hätten sie nicht so unter dem verordneten Antifaschismus leiden müssen …

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