Angewandte Physik 7: Es brennt

(oder vielleicht auch Chemie …)

Wolken

Nachdem jahrelang nur Spezialisten herumdiskutiert haben, ist das Klima plötzlich das Ding an sich. Unter anderem hat der Deutsche Städte- und Gemeindetag einen „Masterplan“ verfasst, wie man dem Klima beikommen könnte. Das Ding hat unglaubliche sechs Seiten, wovon eine ein inhaltsloses Deckblatt ist. Die restlichen erhalten eine Menge klimatisch bedenklicher warmer Luft. Und groben Unfug.
Das Wort „Baum“ kommt auffällig wenig vor, nämlich gar nicht. Dabei sind Bäume hocheffektive CO2-Speicher. Im Stadtgebiet Bäume zu pflanzen, wäre gleich mehrfach wirksam. Der Baum speichert Kohlendioxid. Er wirft Schatten und wirkt damit der Aufheizung entgegen. Er verstoffwechselt Sonnenenergie. Die steckt, bis jemand den Baum verbrennt, im Holz. Das hat er Sonnenschirmen voraus. Und schließlich verdunstet er Wasser. Das frisst, man ahnt es, auch Energie, befeuchtet die trockene Stadtluft und bindet Staub. Bäume sind die perfekten städtischen Klimaanlagen.
Aber die Lobbyorganisation der Kommunen arbeitet sich fast ausschließlich am Verkehr ab. Und kommt zu einer wunderbaren Erkenntnis:Antriebswechsel
Hier wäre zunächst anzufügen, dass die Ökobilanz des Elektroautos nicht so gut ist, wie Lobbyisten behaupten. Die Batterieherstellung ist alles andere als umweltfreundlich. Die Batterie ist schwer und muss mitgeschleppt werden, verbraucht also Energie. Der Transport von Elektroenergie quer durchs Land, damit Konzerne mit ihren Offshore-Windparks Profite machen können, verheizt einen erheblichen Teil des mühsam ökologisch erzeugten Stromes. Der Widerstand einer Stromleitung ist bekanntlich direkt proportional zu ihrer Länge. 900 km Stromtrasse sind ein verdammt großer Heizwiderstand. Und falls der Strom nicht aus Wind oder Sonne gemacht wird, sondern aus Kohle (ja, wir machen noch Strom aus Kohle), dann ist der Auspuff des e-Autos der Schornstein des Kraftwerks.
Teil 2 ist allerdings wirklich bizarr. Weniger Verbrennungsmotor, mehr Wasserstoff, Erdgas und Bio-Kraftstoff. Das hört sich an, als würde man mit Wasserstoff gefüllte Luftballons installieren, die bei Entleerung entsprechend Rückstoß erzeugen und das Auto anschieben. Oder den Möhrenmotor auf Basis von Hamstertechnologie einsetzen. Wenn man das Laufrad groß genug macht und ein paar tausend Hamster rennen lässt, dann funktioniert das. Man braucht allerdings einen Anhänger mit Möhren. Und die Hamster, die kleinen Schädlinge, atmen pausenlos CO2 aus.
Liebe Leute, egal ob Bio-Kraftstoff, Erdgas oder Wasserstoff – soll Bewegung entstehen, dann muss man das Zeug verbrennen. Erdgas ist sogar genau wie Diesel ein fossiler Energieträger und wächst nicht nach. Dabei ist die Idee mit den alternativen Energiequellen nicht so behämmert wie die Formulierung.
Wasserstoff ist eine ausgesprochen gute Idee, weil man Strom sehr schlecht aufbewahren kann. Man kann Elektronen nicht einfach in Tanks füllen, so wenig wie man Wasser nach oben schütten kann und hoffen, dass es da bleibt. Aber man kann mit überschüssigem Strom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegen. Den Sauerstoff kann man in der Atmosphäre zwischenlagern, bis man ihn braucht, den Wasserstoff in Tanks und Flaschen speichern. Mit wenig Aufwand könnte man Wasserstoff so schnell tanken wie heute Benzin. Dann verbrennt man ihn und fährt mit der freiwerdenden Energie davon.
Sind alle Verbrennungsmotoren böse? Aus dem Wasserstoff-Motor tröpfelt hinten nur Wasser heraus. Das war’s. Wasser zum Zerlegen ist zumindest hierzulande reichlich vorhanden, und nach Benutzung landet es direkt wieder im Wasserkreislauf – als Wölkchen. Nein, dabei entsteht absolut überhaupt kein CO2, einfach weil im Wasserstoff kein Kohlenstoff ist. Deshalb sollten wir viel intensiver über Wasserstoff nachdenken, statt mit aller Gewalt e-Autos durchzusetzen.

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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5 Antworten zu Angewandte Physik 7: Es brennt

  1. Evelyn schreibt:

    Ja, die Lobbyisten … Als Antwort auf diesen Post auf Facebook https://www.tagesschau.de/ausland/klimawandel-dorf-101.html – Frage: hecken so etwas Immobilienhaie aus? – erhielt ich diesen erhellenden Beitrag
    https://sciencefiles.org/2019/07/14/wie-die-klimawandel-mafia-geschichte-umschreibt-ard-fairbourne-in-wales/

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Oh, WordPress hält Kommentare mit Links zurück. Der Klimawandel ist jedenfalls eine gute Entschuldigung für praktisch alles. Nur für praktische Politik wie den Ausbau des Schienenverkehrs (Die Schweiz gibt ein Vielfaches für ihren aus!) scheint er irgendwie nicht zu taugen.

  2. Honorius Hosenband schreibt:

    Verrückte Ideen .Am Ende verlangst du noch , das die Mietkrise durch Wohnungsbau bekämpft wird , du verwegene Piratin !

  3. Matcha schreibt:

    Oh, Wasserstoffautodiskussion in Deutschland? Wunder gibt es immer wieder…

    Ich habe mich dieses Jahr von meinem letzten E-Auto getrennt – wobei die über eigene Solarzellen Strom bekamen, nicht über Kraftwerke – und in meiner Firma den vierten H-Antriebler für meine Leutchen zur Verfügung gestellt. Benziner gibt es seit sechs Jahren nicht mehr. Tankstellennetz funktioniert über die Zweigstellen im Land, da können auch andere Personen mit ihren Wasserstofffahrzeugen tanken, ich nehme am Tankstellennetz eines recht großen Autoherstellers teil.

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