Sprachsalat mit Genen

Der Klassiker ist eine Schlagzeile der BLÖD-Zeitung aus den 90er Jahren: „Forscher vergiftete Kollegin. Er kippte ihr Atom in den Tee“. Ja, das mache ich auch regelmäßig. Ich kippe massenhaft Wasserstoff- und Sauerstoff-Atome in meinen Tee – sonst wäre er zu trocken. Bisher habe ich das fehlerfrei überlebt.
Diese Art von Kurzschlussdenken ist allerdings nicht auf das Revolverblatt mit den fetten Überschriften beschränkt. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon den Begriff „Genmais“ gehört habe. Ganz ehrlich – mich würde angesichts von Mais ohne Gene Panik befallen. Gene sind unsere Baupläne. Nicht nur der Mais enthält welche, auch du und ich und wir alle. Bedenklich sind Pflanzen, die gentechnisch verändert oder genmanipuliert sind, nicht Pflanzen, die Gene enthalten.
Von ähnlicher Qualität sind die „Klimaleugner“. Ich habe schon seltsame Typen getroffen, aber noch nie jemanden, der die Existenz von Klima ernsthaft anzweifeln würde. Manche verwechseln lediglich Klima mit Wetter und schließen aus der Temperatur in ihrem Kühlschrank darauf, dass es immer kälter wird.
Was mich tief verstört, ist die in letzter Zeit immer häufiger auftauchende Parole FCK NZS oder FCKAfD. „Ganz bestimmt nicht!“, möchte ich jedesmal ausrufen. „Das fehlte mir gerade noch!“ Was da steht, ist stark verkürzt die Aufforderung zu Geschlechtsverkehr mit ziemlich unsympathischen Zeitgenossen. Wer zum Teufel denkt sich sowas aus? Wer denkt so wenig darüber nach, was er da gerade vandalisierend an Hauswände sudelt? In voller Schönheit heißt die Beschimpfung eigentlich „Go fuck yourself“, und das kann man nun wieder nachvollziehen, denn man selbst möchte ja ganz bestimmt nicht … Also ich zumindest. Oder wie es Die Bandbreite auszudrücken beliebte: Kein Sex mit Nazis.
Die haben vor dem Singen das Hirn eingeschaltet. Sollte man öfters tun.

 

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Sprachsalat mit Genen

  1. Inge schreibt:

    Meine Tochter pflegt ihr Gesicht mit Mizellenwasser. Wer ein bisschen Ahnung von physikalischer Chemie hat, weiß, dass Mizellen einfach Ansammlungen von Spülmittel-Molekülen (Tensiden) sind, die man in jedem Abwaschwasser findet…

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