Regenbogenrot

Der unbestreitbare Vorteil von Urlaub in feuchten Gegenden ist die hohe Wahrscheinlichkeit, irgendwo einem Regenbogen zu begegnen. Angeblich liegt an dessen Ende ja ein Töpfchen mit Gold in der Erde und am oberen Asgard. Bifröst, die Regenbogenbrücke, verbindet die Welt der Götter mit Midgard, der Menschenwelt. Glaubt man in Gegenden mit zu viel Wetter.
Dabei ist der Regenbogen nichts anderes als gewöhnliches Sonnenlicht, gut sortiert. Normalerweise kommt das Licht der Sonne ziemlich durcheinander bei uns an. Zwischen tiefem Ultraviolett und Infrarot ist alles dabei – natürlich auch die Wellenlängen zwischen 380 und 780 nm, die der Mensch sieht (Wer jetzt glaubt, dass das ein glücklicher Zufall ist, sollte einen Moment darüber nachdenken, wie groß die Überlebenschancen derjenigen Vorfahren waren, die Augen für absurde Wellenlängen von mehreren Metern entwickelt haben – Jahrmillionen vor Erfindung des Rundfunks …).
Jedenfalls ist das, was wir für Weiß halten, ein im Wortsinne buntes Gemisch von allem. Fällt es auf den Regen, dann wird das Licht in jedem einzelnen Tropfen gebrochen, an der Grenzwand zweimal totalreflektiert und beim Austritt noch einmal gebrochen. Die Brechzahl ist abhängig von der Wellenlänge: Blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes, und so kommt es, dass der Regen das Sonnenlicht säuberlich in seine Farben zerlegt. Für kurze Zeit sehen wir, was alles in ihm steckt.
Wie viele Farben hat ein Regenbogen? Na?
Falsch. Die korrekte Antwort lautet: So viele, wie gerade verfügbar sind. Die Feuchtigkeit in der Luft streut das Licht auch, und bei Sonnenuntergang muss das Licht durch besonders viel erdnahe, feuchte Luft, um zu unseren Augen zu gelangen. Das blaue (auch das ultraviolette, aber was wissen wir schon davon …) Licht wird am stärksten gestreut. Es hat es echt nicht leicht. Der Rest kommt durch, je roter, umso mehr. Und deshalb ist der Regenbogen bei Sonnenuntergang rot, regenbogenrot.

(anklicken, damit die Regenbögen größer werden.)

PS: Unter normalen Umständen hat der Regenbogen unendlich viele Farben. Die Aufteilung in ordentliche sieben haben sich Leute ausgedacht, die meinen, das Sonnenlicht sei so etwas wie ein Farbkasten. Aber für absurde Farbtöne wie mauve, petrol oder türkis braucht man schon ein bisschen mehr. Wie wir alle schon einmal festgestellt haben, ist der Regenbogen zwar unbestreitbar bunt, aber die säuberlichen Farbstreifen lassen sich einfach nicht finden, weil zwischen grün und gelb unendlich viele Zwischentöne liegen.

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Regenbogenrot

  1. Evelyn schreibt:

    Mir wird beim Anblick Deiner wunderschönen Fotos ganz warum ums Herz 😉 Danke, liebe Heidrun!

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