BTW2021.5: Mach schön mache-mache

Seit Jahrzehnten wirbt die CDU nur mit Bildern von Mutti: Mutti in Lichtblau, Mutti in Frühlingsgrün, Mutti in Apricot …
In diesem Jahr muss man sich echt anstrengen, um ein Laschet-Plakat zu finden. Es gibt sie, aber bisher habe ich sie nur in der tiefsten Provinz gesehen. In kleiner Zahl. Stattdessen tut die CDU so, als werbe sie mit Themen.
„Machen, was Arbeit schafft“ plakatiert sie zum Beispiel. „Mülltonnen umkippen“, kommentiert der häusliche Gefährte und kommt mir damit um etwa zwei Zehntelsekunden zuvor. Mein Hirn bearbeitet nebenbei die Aufgabe Autofahren.
„Sozial ist, was Arbeit schafft“ war schon bei der letzten, vorletzten und vorvorletzten Wahl gequirlter Dung. Sozial ist nur, was anständig bezahlte, sichere und anständige Arbeit schafft – entstanden sind aber immer wieder McJobs, von denen und mit denen keiner leben kann.
Außerdem ist der Mangel an Arbeitsplätzen nicht das dringendste Problem. Wir haben eine Arbeitslosenquote von 5.6 %, Tendenz sinkend. Ein größeres Problem ist, dass die vorhandenen Arbeitskräfte nicht zur vorhandenen Arbeit passen. Man müsste in Ausbildung investieren und aufhören, Arbeitskräfte zu verheizen, als stünden noch Dutzende auf der Straße, die sich um jeden Drecksjob reißen. Das kommende Problem wird allerdings sein, dass die Digitalisierung immer mehr Arbeiten überflüssig macht, für die es keinen Ersatz gibt. Statt auf Teufel komm raus irgendwelche „Arbeit zu schaffen“, müsste man endlich über Arbeitszeitverkürzung reden. Die meisten Menschen haben gar kein Bedürfnis nach 40 Stunden Arbeit pro Woche, sie wollen nur anständig von ihrer Arbeit leben können. Wenn dafür 30 Stunden reichen, haben sie kein Problem damit.
Mindestens ebenso schlimm ist der Kehrreim „Deutschland gemeinsam machen“, der auf allen CDU-Plakaten steht. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, musste ich sofort an die immer wieder anklagend vorgeführten Fotos aus DDR-Kinderkrippen denken, auf denen ein Dutzend Kinder in einer Reihe auf dem Töpfchen sitzt und gemeinsam macht. Wenn man das Bild einmal im Kopf hat, geht es nie wieder raus. Ich habe selbst nie im KIndergarten auf dem Topf gesessen, sondern zu Hause, aber da wurde auch nicht gewartet, bis ich mir in die Hose gemacht hatte. Gesessen wurde, wenn es dran war. Die freundliche Aufforderung meiner Mutter dazu lautete: „Nun mach schön mache-mache.“
Man weiß, was dabei herauskommt …

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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3 Antworten zu BTW2021.5: Mach schön mache-mache

  1. lapismont schreibt:

    ich las mal zum Thema Arbeitsplatzverluste durch techn. Revolutionen, dass zwar viele in den abgelösten Bereichen wegfielen, aber bisher immer mehr Bedarf n den neuen entstenden ist. Aus meiner Erfahrung, bin seit 97 in der Digitalisierung der Rentenversicherung, passt das. Während zunächst jede Menge Tätigkeiten in der Dateneingabe wegfielen, stieg der Anteil in der EDV, dem Support und im Management gewaltig an. Während der neoliberalen Jahre wurden dann wild Stellen gekürzt, aber benötigt wurden sie trotzdem und das Besetzen der Fehlstellen dauert bis heute und kostet mehr, als die Personalkosteneinsparungen damals brachten. Aber das interessiert Neoliberale ja nicht.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Wenn die Arbeitsproduktivität steigt, dann kann man einfach in viel kürzerer Zeit die vorhandenen Bedürfnisse befriedigen. Natürlich wachsen die Bedürfnisse. Vor hundert Jahren trugen die Kinder die Sachen ihrer Großeltern auf, und einmal „Sonntagsstaat“ musste für den Rest des Lebens reichen. Aber die Bedürfnisse wachsen nicht halb so schnell wie die Produktivität. Es funktioniert nur, weil Deutschland einerseits einen gigantischen Handelsüberschuss generiert und andererseits die Leute beschwatzt, genötigt und gezwungen werden, in Unmengen Dinge wegzuwerfen. Wie ich hier lang und breit verkündet habe, hat mein altes DDR-Handrührgerät über 30 Jahre gehalten. Praktisch niemand glaubt, dass ein heute neu gekauftes so lange halten wird. Ginge aber. Mit anderen Worten: Wir verrichten völlig unnötige Arbeiten, nur weil einige wenige sonst weniger Profit machen würden.
      Der Achtstundentag stammt aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Sind wir echt noch nicht weiter? Und ist freie Zeit nicht eigentlich viel wertvoller als immer das neuste, tollste, unnützeste Ding? Wegfallende Arbeit ist also gar nichts Schlimmes. Das Schlimme ist die Umverteilung von unten nach oben – die durch die Steuerreformpläne der Union noch mal stärker werden würde.

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