Notfallblog: Wohnortnahe Beatmung

Die COVID19-Politik der Thüringer Landesregierung treibt einem die Tränen in die Augen. Wider alle Erfahrung scheint man immer noch zu hoffen, die Pandemie werde um Thüringen einen Bogen machen. Wahrscheinlich ist man erleichtert, dass derzeit Sachsen mit 416 : 406 Thüringen vom Spitzenplatz der Inzidenzen verdrängt hat.
Tatsächlich hat Ministerpräsident Bodo Ramelow kürzlich etwas Sinnvolles zum Thema geäußert: „Wir werden niemandem mehr garantieren können, der ungeimpft ins Krankenhaus kommt, dass er überhaupt noch hier behandelt wird.“ Er hat auch gesagt, dass natürlich jeder behandelt wird – aber nicht notwendig in Thüringen. Offenbar hat sich jemand erbarmt und ihm die Zahlen erklärt.
Die Querdenkerblase dreht seither frei und steht kurz vorm Mordaufruf. Die Wahrheit ist sowas von Stasi.
Es gibt Menschen, die arbeiten den Wust von Pandemiezahlen akribisch auf. Sie machen Grafiken daraus, die die Bescheidenheit der Lage jedem ins Gesicht brüllen, der mindestens ein gesundes Auge hat. In Thüringen sind derzeit noch 105 von 694 Intensivbetten frei. Das sind ziemlich genau 15 %. 109 Betten sind mit COVID19-Patienten belegt. Deren Zahl, sagt die Statistik, verdoppelt sich derzeit alle zwei Wochen. Das heißt: In etwa zwölf Tagen gibt es in Thüringen kein einziges freies Intensivbett mehr, wenn man nicht beginnt, COVID-Patienten in andere Bundesländer auszulagern – Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland.

Originaldaten gibt es hier: https://michael-böhme.de/corona/

Die Impfgegner fordern gleiche Behandlung für sich ein – obwohl sie eben noch behauptet haben, dass ihr Immunsystem sowieso viel besser sei als jede Impfung. Sollen wir jetzt ernsthaft Herzinfarktpatienten oder Unfallopfer sterben lassen, damit jeder Querdenker ein wohnortnahes Intensivbett bekommt? Sollen Krebspatienten nach MeckPom verlagert werden, damit die Schwurbler mit ihrer Superimmunität im Kreise ihrer Lieben beatmet werden können?
Nein.
Einfach nur nein.
Sie sind die Verursacher des Problems. Nicht allein. Die Gesundheitspolitik der letzten 20 bis 30 Jahre hat erheblich dazu beigetragen, aber ganz aktuell halten die Querdenker die Lunte ans Pulverfass – indem sie sämtliche Hygienevorschriften hohnlachend ignorieren, indem sie sich nicht nur selbst nicht impfen lassen, sondern auch noch allerlei frei erfundene Horrorstorys verbreiten, um andere davon abzuhalten, indem sie Impfausweise und Zertifikate fälschen … Und weil sie so verdammt stolz auf ihre Dummheit sind.
Am 01.05.2020 hatte Thüringen noch rund 1080 verfügbare Intensivbetten. Heute sind es noch die erwähnten 694. In 20 Monaten sind uns 36 % der Intensivbetten verloren gegangen. Ich habe auf Twitter gefragt, wie man mitten in einer Pandemie auf die Idee kommen kann, Betten abzubauen. Mir haben mehrere Leute geantwortet, die Betten seien noch da – aber das Personal habe gekündigt. Die Situation in den Krankenhäusern ist seit Jahren prekär, aber seit anderthalbem Jahr arbeiten die Pflegekräfte am Limit. Oder jenseits davon. Im Namen ihrer persönlichen Freiheit sorgen Querdenker dafür, dass es so bleibt. Natürlich gibt es zu wenig Personal. Aber wisst ihr was? In einer Situation, in der reihenweise Intensivpfleger kündigen, ist es unmöglich, die Zahl der Pfleger aufzustocken. Die kündigen ja gerade. Also wo sollen die herkommen? Intensivpfleger ist kein Anlernjob, den man nach zwei Stunden begriffen hat. Man kann sie auch nicht bei Amazon bestellen.
Die Querdenker machen mutwillig Menschen kaputt und regen sich dann auf, dass die ihnen nicht den Arsch retten. Wie peinlich kann man sein?

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Notfallblog: Wohnortnahe Beatmung

  1. Ernst Reiter schreibt:

    …ein Teil der „Querdenker“ sind das Klinikpersonal. Wie das bei med. ausgebildeten Menschen wohl kommt?! Oder schauen da einige hinder die Nebelgranaten?

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Eine medizinische Ausbildung scheint nicht notwendig mit logischem Denken zu korrespondieren. Vielleicht sollten mehr von ihnen auf der ITS eingesetzt werden, um Denkprozesse anzuregen.

  2. thom schreibt:

    Frau Merkel wollte dafür sorgen, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Ich habe nicht mitbekommen, dass Pflegepersonal wesentlich mehr als Beifall bekommt. Wenn alles privatisiert wird, um die Kiste Kapitalismus am laufen zu halten, dann gibt es dafür irgend wann eine Rechnung. Weiterhin bleibt festzustellen, dass die Mitglieder der class politique hier seit 2 Jahren alles mit Anlauf verkacken, was nur zu verkacken ist. Sicher sind Ignoranten ein wesentliches Problem und Dummheit macht’s nicht besser, ich würde aber den „Impfgegner“ hier nicht so weit aus dem Fenster hängen. Hier hat sich keiner mit Ruhm bekleckert, auch nicht das Robert Koch Beleidigungsinstitut. Wenn wenig Transparenz für die einfacher Gestrickten aufgeboten wird und die Medien hier im wesentlichen Propaganda verbreiten, hat man am Ende des Tages keine Akzeptanz mehr über, somit lässt sich dann niemand mehr überzeugen.

    Mich erinnert das alles stark an „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“.

    Ach ja, der muß noch, in den Landesparlamenten gibt es Systeme zur Luftfilterung um die Virenbelastung zu reduzieren, in Schulen Masken, offene Fenster und Bewegung, oft nicht mal funktionierende Toiletten und zum Dach regnets rein.

    Schönen Sonntag 😉

    • thom schreibt:

      Der Herr Schwerdtfeger hat das hier schön beschrieben…

      https://tamagothi.wordpress.com/2021/11/13/dramatische-lage/

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Habe ich die Politiker nicht ausreichend gescholten?
      Allerdings gibt es so viel Transparenz, dass man verrückt werden könnte. Im Netz findet man nicht nur Infektionszahlen, Impfstatistiken, Intensivbettenbelegungen, Sterbezahlen usw., sondern auch akribisch aufgelistete Impfnebenwirkungen. Klar, das ist alles ein wenig anstrengend, aber wenn man es einfacher macht, dann heißt es gleich wieder „Propaganda“.
      Ich finde, das größte Versagen der Politik war, der ganzen Querdenkerszene über Monate und inzwischen Jahre Narrenfreiheit zu gewähren. Inzwischen halten sie sich für Widerstandskämpfer, obwohl sie einfach nur Dummköpfe sind.

      • thom schreibt:

        Genau, das ist alles ein wenig anstrengend, wenn ich mir die Daten ansehe, fällt mir oft Korrelation auf, gern fehlt aber die Kausalität oder das Pferd ist von der falschen Seite bestiegen. Das bemerkt man, wenn man sich etwas intensiver damit beschäftigt, das kostet aber Zeit und Mühe, viele sind nicht in der Lage, das ordentlich zu lesen 😉
        Und wie das mit dem Halbwissen so ist, da gibt es dann schon mal Übersterblichkeit durch Impfungen. Und dann haben wir da noch die komplexe Welt. Darwin wird das schon aussortieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s