Notfallblog: 40 Jahre Lockdown

Weihnachtsmarkt, Jena 2021

Eigentlich wollten wir nur einkaufen gehen, aber fünf Jahre Kommunalpolitik haben gereicht, dass Menschen mich auf der Straße erkennen und glauben, ich müsste mich für ihre Probleme interessieren. Diesmal war es ein bärtiger Alter, vermutlich gut über 80. „Sie waren doch auch in der Politik? Was sagen Sie denn dazu, wie man mit den Menschen umgeht?“
„Schlimm“, sagte ich, weil ich geistig noch in einer Debatte über die spektakuläre Erhöhung der HartzIV-Sätze um 3 Euro feststeckte. Ich fügte gleich hinzu, dass ich nicht bei den Grünen bin und nie war – weil er letztens von mir eine Stellungnahme zu deren verwerflicher Politik wollte.
Allerdings wollte er sich diesmal über die Pandemiemaßnahmen beschweren. Ganz schrecklich, wie man mit den Ungeimpften …
„Ohne Impfen“, sagte ich, „kommen wir aus der Scheiße nicht raus.“ Meine Geduld war begrenzt, und klare Worte angebracht.
Nein, vom Impfen hielt er so gar nichts. Denn er hätte da seine Erfahrungen. Seine Frau sei vor vier Jahren an Krebs gestorben – und sie habe 1978 an einer Medikamentenstudie teilgenommen! Und er hätte auch Prostatakrebs gehabt. Sie seien damals eben naiv gewesen.
Ich sagte nicht, dass viele in seinem Alter etwas haben, das man Tod nennt. Stattdessen erklärte er mir, dass alles nur aufgebauscht wäre und gerade einmal 4 % der Bevölkerung sich überhaupt infiziert hätten – und nur 36.000 gestorben wären, da wären andere Krankheiten … Er war ziemlich genau auf dem Stand vom letzten Jahr.
Leute, wir sind verloren. Wenn die Querwichtel tatsächlich glauben, mit über 80 sterbe man nicht an Alter oder Infektion, sondern an einem Medikament, das man vor 40 Jahren eingenommen hat, dann lassen die sich frühestens 2060 impfen. Oder 2061, weil sie ja ein Jahr brauchen, um die Fakten wahrzunehmen. Schlimmer noch – eine große Zahl der heute Geimpften wird bis dahin gestorben sein. Zweifellos an Impfspätfolgen, denn ohne dieses Genzeugs würde man ja glatt ewig leben. Wasser auf die Mühlen der Impfpaniker.
Bald werden wir nicht mehr „über die Feiertage“ sondern „während des Weihnachstlockdowns“ sagen, und unsere Enkel werden fragen: „Weihnachtsmarkt? Was ist das denn?“

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Notfallblog: 40 Jahre Lockdown

  1. Evelyn schreibt:

    Gelesen und für stichhaltig befunden 😊
    „Ich sehe meine Rechte nicht beschränkt oder bedroht. Ich sehe mich bedroht durch Rechte und Beschränkte. Lieber glaube ich Wissenschaftlern, die sich auch mal irren, als Irren, die glauben sie seien Wissenschaftler.“
    Verfasser*in unbekannt

    Ich wünsche und hoffe, dass wir die Normalität wieder herstellen können. Dir wünsche ich schöne Feiertage, liebe Heidrun!

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