Musik als Waffe

DudelsackAls die Engländer Schottland endgültig unterworfen hatten, verboten sie nicht nur die gälische Sprache, den Kilt und das schottische Breitschwert, sondern auch den Dudelsack. Der galt als Kriegswaffe, und gelegentlich kann man dafür Verständnis haben.
Heute sieht man das entspannter, und so hat jedes Provinznest seine Pipe Band, die zu allen denkbaren Anlässen pfeift – natürlich im Kilt. Die Lochaber Schools‘ Pipe Band etwa stellt sich abends auf den Marktplatz von Fort William und pfeift ein paar lustige Liedchen, während eine der Mütter nicht mit dem Hut, sondern mit einem Eimer herumgeht und um großzügige Spenden bittet. Das Geschäftsmodell funktioniert – man weiß ja, was man gerade für sein Geld bekommen hat.
Der Band Mànran verdanke ich die Erkenntnis, dass es Dudelsäcke genau wie Gitarren neuerdings in elektrischer Form gibt – oder vielleicht in pneumatischer, denn da übernimmt offenbar eine Pumpe das Aufpusten. Rein akustisch macht es keinen großen Unterschied, aber es sieht irgendwie nur halb so cool aus. Wahrscheinlich strengt es weniger an, und ganz bestimmt steht man nicht plötzlich ohne Luft da, weil man das Pusten vergessen hat. „Oran Na Cloiche“ handelt übrigens vom Stone of Scone, auf dem ehedem die schottischen Könige gekrönt wurden. Das gleiche absurde Instrument verwendet Malcolm Jones von Runrig, um den Maschinenraum in Musik zu verwandeln – mutmaßlich den einer CalMac-Fähre (Davon hatte ich mal eine deutlich bessere Aufnahme gefunden, aber YouTube behauptet, die gäbe es nicht. GEMA, ich weiß, dass du es bist! Dabei sieht die Band es erstaunlich entspannt, wenn Leute ihre Konzerte mitfilmen).
Ganz ohne Dudelsack kommt erstaunlicherweise die Folkrockband Washington Irving aus. Mit Ausnahme des Schlagzeugs hat bei denen alles Saiten – im Falle der Säge, die mühelos ein Keyboard ersetzt, zumindest der Bogen. Ich bin rein zufällig über die Truppe gestolpert. Washington Irving? War das nicht ein uralter Dichter? Was hat der auf einem Konzert verloren? Tatsächlich ist es kein alter Amerikaner, es sind eher junge Schotten aus Glasgow, die sicht- und hörbar jede Menge Spaß haben, wenn sie Musik machen. Bei mindestens der Hälfte der Lieder habe ich Mühe, die Füße stillzuhalten. Hilft auch gut gegen Müdigkeit am Lenkrad, wenn die Autobahn kein Ende nehmen will. Auf jeden Fall ist es ein guter Soundtrack für diesen September, wenn die Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands auf dem Plan steht.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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