Die neue e-Immobilität

Als die Firma den höchst unpraktischen BMW mit dem Spritverbrauch eines Düsenjets ab- und einen Kleintransporter anschaffte, hielt ich das für eine positive Entwicklung. Ich reise oft mit dem halben Labor in der Gegend herum – wenn man reisen darf.
Kürzlich war es wieder soweit. Neben etwa 50 kg Testaufbau sollten auch noch drei exzessiv verpackte Prüflinge mit – jeder einzelne mit Umverpackung etwa zwei Klappboxen groß. Kein Problem, dachte ich, und marschierte zum Firmenwagenverwalter, um den Mercedes Vito zu buchen.
Die Firmenmutti in den USA hat beschlossen, sich nach irgendeiner Öko-Norm zertifizieren zu lassen, und da scheint es für e-Autos irgendwie doppelte Punktzahl zu geben. Der Transporter ist ein e-Transporter, und der Kollege bedachte mich mit einem mitleidigen Blick. Wohin ich damit denn wolle? Nach Schweinfurt. „Vergiss es“, lautete der Kommentar. Mit dem Vito komme man, wenn man nicht zu schnell fahre, bis Erfurt und zurück. Bis Erfurt sind es 50 km, bis Schweinfurt 200 km.
Tatsächlich begrüßte mich der Vito, als ich kürzlich mit ihm nach Göschwitz fuhr (6 km, ich fühlte mich sicher), mit der Information, er sei zu 75 % voll, und ich könnte noch 95 km fahren. Macht immerhin 130 km Reichweite, wenn man nicht übermütig wird und auf der Autobahn 100 km/h fahren möchte.


Notgedrungen buchte ich das zweite e-Auto der Firma, den Tesla, verzichtete auf die professionelle, erdbebensichere Umverpackung und wickelte meine Prüflinge in Blasenfolie. Mit Gewalt passte alles in den eher übersichtlichen Kofferraum. Der Tesla behauptete, ganz voll zu sein, und versprach 567 km Reichweite. Das sollte, dachte ich, reichen. Ich wollte ja nur 400 km fahren.
Der Tesla ist vor allem eins: So cool, dass von der Decke Schnee rieselt. Er zieht die Türgriffe ein, wenn man ihn abstellt, er hat keinen irgendwie gearteten Anschalter, sondern fährt los, wenn man Gas gibt, und er hat ein gigantisches Display, das einen mit Informationen zuschüttet. Außerdem zeigt er im Vorbeifahren jedes Auto, jede Ampel und jede am Straßenrand stehende Mülltonne an. Das Ergebnis: Man beobachtet die Mülltönnchen auf dem Display, statt die freilaufenden, realen Mülltonnen auf der Straße zu sehen. Wozu auch immer man die Information braucht, dass da eine Tonne steht.
Die Thüringer-Wald-Autobahn A71 ist nicht geeignet, um Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Über viele Kilometer führt sie durch Tunnel, und damit man nicht durch zu viele Schilder verwirrt wird, ist auch dazwischen Tempo 80 angesagt. Ich war vorsichtig, wollte ich doch meine Reichweite nicht gefährden. Nicht schneller als 130 km/h! Das half nicht. Als ich in Schweinfurt war, waren nur noch 45 % der Ladung übrig. Die fehlenden 17 % hatte das Auto offenbar fürs Mülltonnenzählen verbraucht. Ich musste im Prüflabor um Zugang zur firmeneigenen Stromtanksäule betteln, um wieder nach Hause zu kommen. Denn ein Kanister, mit dem man notfalls zur nächsten Stromtanke laufen kann, fehlt natürlich. Wozu Reichweite, wenn man unendliche Coolness haben kann?

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Notfallblog: Das Grundrecht auf Shoppen

Jena ist stabil unter die 7-Tage-Inzidenz von 100 gerutscht, und die Stadt nimmt den Fuß von der Bundesnotbremse. Hundert ist das neue fünfundreißig. Im letzten Jahr machte man bei einer Inzidenz von 40 in der Stadt alles dicht. Vier Tage später wurde mit 70 das Maximum der ersten Welle erreicht, und das war’s damals auch schon. Aber vielleicht schlägt jetzt wirklich der späte Frühling zu – heute waren es nur noch 29.6.
Fröhlich wird gelockert. In die Läden darf man mit negativem Test und Maske, allerdings mit begrenzter Menschenzahl. Vor den Läden bilden sich Schlangen wie einstmals in der DDR, wo man sich auch anstellte, ohne genau zu wissen, was es gab. In den Biergärten braucht man weder Test noch Maske – man muss nur seine Daten hinterlassen. Selbst Abstand muss man anscheinend nicht halten. Also wenn man auf dem Markt auf dem Stuhl eines Restaurants sitzt, braucht man keine Maske, sitzt man auf der öffentlichen Bank wenige Meter weiter, dann schon. Logisch, oder?
Die Grundrechte auf Shoppen und Biertrinken sind also wieder entschränkt.

Die mobile Besucherwaschanlage, vormals Teil des Wasserspielplatzes


Ein Grundrecht auf Bildung jenseits der Schulen gibt es dagegen nicht. Die „Thüringer Verordnung zur Regelung infektionsschutzrechtlicher Maßnahmen und schrittweisen weiteren Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2“ schreibt in §25 tatsächlich fest, dass in Kreisen mit einer Inzidenz unter 100 Museen, Themenparks und Gebäude in Botanischen Gärten geschlossen zu halten sind. Unter 100. Fiele sie auf Null, müssten diese Einrichtungen der Volksbildung noch immer verriegelt, verschlossen und verrammelt werden. Kein Test hilft, keine Impfung, und erst recht keine Maske. Nichts.
Ehedem war die Begründung, dass man die Mobilität der Menschheit beschränken wollte. Wo nichts ist, fährt auch keiner hin. Allerdings war die Jenaer Innenstadt am Wochenende so krachend voll, dass sich die Museen der Stadt schon viel einfallen lassen müssen, um das zu übertreffen. Bisher ist kein Museum jemals als Pandemie-Hotspot ruchbar geworden.
Theoretisch hätte die Stadt die Möglichkeit, eigene Regelungen zu er- und die Museen aus dem Lockdown zu entlassen, aber sie verkündet stolz, dass sie derlei nicht vor hat. Das überlässt man Weimar, Inzidenz aktuell um die 70. Was nicht dem Geldverdienen dient, sondern gemeinnützig ist, bleibt zu.
Die Thüringer Verordnung läuft am 3. Juni aus. Anlass für mich, Bettelbriefe an die Fraktionsvorsitzenden im Landtag zu schreiben, damit sie vielleicht die bedingungslose Schließung aufheben und uns die Türen der Imaginata wieder öffnen lassen. Es sind sehr große Türen, und man kann einen ständigen Durchzug in den riesigen Hallen des ehemaligen Umspannwerks erzeugen. Wir haben auch ein System für Voranmeldungen, Einbahnstraßenverkehr, eine Besucherwaschanlage und Desinfektionsmittel. Ich frage mich, was wir verkaufen könnten, um als Laden mit Ausstellungsfläche durchzugehen.

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Notfallblog: Sozialistische Wartegemeinschaften

Jena ist von Plakaten auf Pappe zu Blech übergeganen. Man scheint sich auf dauerhafte Zustände einzurichten.

Der häusliche Gefährte wollte die neuen Geraer Löwen sehen, die Sonne schien, es war Sonntag – also fuhren wir zum Geraer Waldzoo.
Da gab es erst einmal keine Löwen, sondern eine Anakonda. Vor dem Tor hatte ein mittelständischer Praxisunternehmer ein mobiles Testzentrum aufgebaut. Zutritt in das großzügige Freigelände nur mit negativem Test. Also an den Schlangenschwanz stellen. Wir bekamen die Bescheinigungszettel mit den Nummern 108 und 125. Das wunderte mich Zwischen der 108 und der 125 wurden allerdings noch die 158, 164 und diverse andere Nummern zum Test aufgerufen, die sich anhörten, als kämen sie aus dem Zufallsgenerator.
Von den fünf Leuten des Testteams arbeiteten zwei wie die Bienchen, während die anderen drei versuchten, den Leuten Bescheinigungszettel aufzudrängen. Da einer dafür mehr als ausreichend war, machte Teststation Nummer zwei nichts als genervte Gesichter. Was zu Hause etwa zehn Minuten dauert, kostete mich vor dem Zoo eine volle halbe Stunde. Ich hätte denen ein wenig zur Hand gehen können, um die Zeit zu nutzen. Ich habe inzwischen Übung mit der Selbsttesterei. Der häusliche Gefährte bekam sein Ergebnis eher als ich den Wattetupfer in die Nase.
Immerhin konnte man Homo Sapiens beobachten, wie sie versuchten, das Chaos zu ordnen. Die Löwen allerdings hielten irgendwo drinnen Siesta. Sie kamen erst zum Drehtermin des mdr am nächsten Tag nach draußen.
Von drei verschiedenen Stellen wurde mir zugetragen, dass der mittelständische Praxisunternehmer mit Niederlassungen in Jena, Gera und Erfurt derzeit alles impfen lässt, was vor der Tür steht. Ohne staatlich anerkannte Priorität natürlich nur AstraZeneca. Sei’s drum. Es schien die beste Möglichkeit, in absehbarer Zeit eine Spritze zu bekommen. (Ich frage mich allerdings, woher er die Unmengen an Impfstoff bekommt, während bei meinem Hausarzt eine endlose Warteliste abzuarbeiten ist. Erklärungsversuche sind willkommen.)
Vor der Tür schlängelte sich eine Schlange über den Parkplatz. Wie schön, dass alte Kulturtechniken mal wieder zum Einsatz kommen. Ich hatte Buch, Wasserflasche und Klapphocker dabei. Es war fast wie früher, als man sich eine halbe oder ganze Stunde nach vier Bananen, Handtüchern oder den Fleischwaren anstellte, die sich beim besten Willen nicht unter der Hand verschieben ließen. Die restliche Wartegemeinschaft schaute mich etwas verwundert an. Waren wohl keine gelernten DDR-Bürger.
Dann tauchte hinter mir ein Mann auf, der behauptete, einen Termin für um 4 zu haben und keine Impfung zu wollen. Wir boten ihm an, nach vorn zu gehen, aber er weigerte sich standhaft und schimpfte weiter. Ich hätte ihn lieber vorgelassen und in Ruhe mein Buch gelesen. Der Vorgang wiederholte sich mehrfach. Aufgeregte Menschen mit Termin mischten sich mit stoisch wartenden Impfwilligen. Warteschlangen sind im Gegensatz zu Reptilien-Schlangen am hinteren Ende am giftigsten. Auch das wissen wir von früher.
Mindestens die Hälfte der Wartegemeinschaft bestand aus jungen Leuten im besten Studentenalter, die tapfer das Restrisiko ignorierten. Die Politik trifft Entscheidungen: Die Alten mit einer staatlich anerkannten Priorität bekommen BioNTech-Pfizer, die Jungen mit dem höheren Risiko für fatale Nebenwirkungen den AstraZeneca. Klingt logisch.
Die Ärztin brauchte sieben oder acht Minuten und Hilfe aus dem Nachbarzimmer, um dem Impfungsverwaltungsprogramm nahezubringen, dass sie mich impfen wollte – und fünf Sekunden, um mir das Zeug in den Arm zu jagen. Am Abend erklärte der mittelständische Praxisunternehmer im Fernsehen, in seiner Praxis sei alles voll digitalisiert sei und laufe super, viel schneller als in den altmodischen Praxen, die alles per Hand machen. Auch das kannnte ich von früher: Die Erfolge bei der Digitalisierung übertrieb man gern einmal, besonders in der Aktuellen Kamera.
Immerhin, nach nur zweieinhalb Stunden war ich wieder zu Hause – und geimpft. Jetzt warte ich, dass die zwölf Wochen bis zur zweiten Impfung ins Land gehen. Dauert nicht ganz so lange wie die Anmeldung für einen Trabant. Wenigstens fühle ich mich jetzt ein klein wenig gewappnet für einen Ausflug ins Hochinzidenzgebiet Schweinfurt. Um zu arbeiten, darf ich da sogar übernachten.

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Notfallblog: Catch-22

COVID19 gefällt das … „Like“ von
Kryštof Hošek

„You mean there’s a catch?“
„Sure there’s a catch,“ Doc Daneeka replied. „Catch-22.“
Joseph Heller: Catch-22

Thüringen hat Astra-Zeneca für alle freigegeben. Mutmaßlich. Zum Verimpfen bei Hausärzten.
Der umpfzigste Anrufversuch hat Erfolg: Weder ist besetzt, noch meldet sich der freundliche Anrufbeantworter. Schwester Ditta ist dran.

„Ich weiß, die Leute rennen Ihnen die Bude ein …“
„Ja … Wann kriege ich einen Impftermin? Geht das nicht schneller? Kriege ich Biontech-Pfizer? Brauche ich ein Rezept? …“
„Ich auch … Ich habe gelesen, dass es Astra-Zeneca jetzt für alle gibt, ich …“
„Der Arzt verimpft Astra-Zeneca nicht an Leute unter 60.“
„Aber es ist freigegeben!“
„Er macht das trotzdem nicht.“
„Oh nein, dann dauert das noch mindestens drei Monate, bis ich einen Termin bekomme …“
„Warum?“
„Weil ich Astra-Zeneca nicht bekomme und was anderes auch nicht.“
„Wir haben auch Moderna und Biontech-Pfizer.“
„Und das könnte ich bekommen?! Kann ich da einen Termin …“
„Ich kann Ihnen aber nicht versprechen, dass wir die dann gerade haben, wenn Sie einen Termin bekommen. Wir müssen nehmen, was wir kriegen.“
„Also ich kriege jetzt keinen Termin???“
„Wir haben eine Warteliste mit 350 Patienten, und der Arzt entscheidet, wen er davon dran nimmt. Das geht nach Indikation. Aber natürlich hat auch einen Einfluss, wer wo auf der Liste steht …“
„Kann ich dann wenigstens auf die Warteliste?“
„Ja, das kann ich aufschreiben. Wir melden uns dann, wenn wir Ihnen einen Termin anbieten können.“

Thüringen hat Astra-Zeneca für alle freigegeben. Halleluja, ich bin jetzt Nummer 351 auf einer Warteliste, und da ich bis auf gelegentliche Rückenschmerzen gesund bin, werden mich wohl noch alle möglichen Leute überholen. Aber in fünf Jahren werde ich 60, dann komme ich in die Prio 3 … Und dann werden vermutlich nur noch Menschen bis 25 geimpft.

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Notfallblog: Hunger!

In Thüringen kann man normalerweise nicht verhungern. Es gibt mindestens in jedem Dorf mit fünf Häusern eine Kneipe, und in der Regel noch einen Bratwurststand obendrauf. Aber normal ist derzeit nichts. Während in Jena gefühlt 90 % aller Gaststätten auf Zuruf Essen ausreichen, herrscht auf dem Lande die große Not – zumindest wenn man Sonn- und Feiertags auf Nahrungssuche geht.
Im Geraer Waldzoo stand die Schlange am Kiosk bis zum Horizont. Das entmutigte uns. Das restliche Gera links und rechts des Rückweges war geschlossen. Und in den Dörfern sah es nicht besser aus. Mancherorts hätte man etwas bekommen, hätte man gestern vorbestellt gehabt, aber da hatten wir noch nichts von der Riesenschlange geahnt. Reptilien gab es im Zoo bisher nicht.
Die Eisdiele in Frießnitz würde, hatte man uns im Märzen versichert, zu Ostern wieder öffnen. Davon wusste sie anscheinend nichts. Der Dorfgasthof zu Frießnitz forderte nicht nur eine Voranmeldung, sondern auch das Mitbringen von Töpfen. Einen Topf hat man natürlich immer dabei. Nur der Vogelbeobachtungsturm am Frießnitzer See hatte einfach so geöffnet. Im See tummeln sich neben einem Haubentaucher, ein paar Kormoranen und zwei Schwänen vor allem Nilgänse – und das scheint noch keinem aufgefallen zu sein. Nilgänse stehen auf der Schwarzen Liste invasiver Arten. Wir ignorierten tapfer das Knurren unserer Mägen, konnten die angeblich vorhandenen Wasserbüffel aber auch diesmal nur als schwarze Haufen in der Ferne sehen.
Auf der Suche nach Futter (unsere Mägen begannen gerade, sich selbst zu verdauen) landeten wir schließlich in Quirla, wo es gleich neben der Autobahnabfahrt den Truck-Stop gibt, der seine Gulaschkanone im Freien aufgestellt hatte (übrigens ein schwedisches Fabrikat, auch wenn NVA dransteht). Das Areal ist so weiträumig, dass man an den Tischen sitzen kann – mit zehn Metern Abstand zum Nachbarn. Es gibt solides Essen. Der häusliche Gefährte liebt Erbsensuppe mit Bowu, sodass die Wahl leicht fiel. Der eine oder andere wird das Ambiente vermutlich skandalös finden. Kann man aber auch bleiben lassen und die Suppe genießen. Schmeckt wie früher.

Eine weitere Entdeckung: In Geisenhain (Thüringer Hinterland südlich der A4) gibt es Witti’s Kiosk. Nudelsuppe, Bockwurst, Rührei – und Kaffee für 80 Cent pro gar nicht so kleinem Becher. Der Inhaber serviert sogar bis in die Grünanlage in der Buswendeschleife. Nur das mit dem Deppenapostroph sollte er noch einmal überdenken.

(Volle Bildgröße gibt es, wenn man ein Bild anklickt.)

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Notfallblog: Achtsam sterben

In Deutschland haben sich inzwischen 3,1 Millionen Menschen mit COVID19 infiziert. Mehr als 80.000 sind daran gestorben. Jeder Infizierte erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Mutationen auftreten, selbst wenn er selbst einen leichten Verlauf hat. Irgendeine Mutation wird erfolgreicher sein, nach B117 und B1617 wird sich etwas noch Besseres finden, an dem endlich auch Kinder sterben.
Rund 800 Kita-Kinder und Schüler einerseits und Kita-Erzieherinnen und Lehrer andererseits mussten wegen COVID19 ins Krankenhaus. Das klingt nicht viel und betrifft tatsächlich nur etwa 1 % dieser Gruppen. Aber – konzentrieren wir uns mal nur auf die Kinder – es sind 838 kleine Menschen, die ohne Kontakt zu Familie und Freunden mitunter wochenlang hilflos auf einer Isolierstation lagen, umgeben von unheimlichen Maschinen und Pflegepersonal in Vollschutz. Kinder, die nachts aufwachten, weil sie keine Luft mehr bekamen, die Alpträume hatten und sich fragten, ob sie das Krankenhaus jemals wieder verlassen würden. Die Todesangst hatten.
Bisher sind 669 Menschen zwischen 30 und 49, also im besten Eltern-Alter, an COVID19 verstorben. Um die 800 aus dieser Altersgruppe liegen derzeit im Krankenhaus. Es sind Menschen, die in jeder wachen Stunde grübeln, ob sie die Krankheit überleben werden, und die sich verzweifelt fragen, was aus ihren Kindern werden soll, wenn sie den Kampf verlieren.


Wenn Kinder in Kita und Schule beim Schnelltest ein positives Testergebnis haben, könnten sie vielleicht gehänselt werden – weswegen fürsorgliche Eltern den Test untersagen. Meine Wahrnehmung ist eine andere: Bei den Kindern überwiegt Angst um ihre Freunde und deren Familie.
Blöd ist: Wenn sich eine relevante Zahl der Kinder nicht testet, ist der Test sinnlos. Denn Eltern, die die Pandemie für eine Wahnvorstellung halten, der man mit Gurgeln, frischer Luft und positivem Denken beikommen kann, nehmen es mit dem Infektionsschutz wahrscheinlich auch sonst nicht so genau. Es reicht ein ungetestetes, aber infiziertes Kind, um eine ganze Klasse anzustecken – und nachfolgend Geschwister und Eltern. Genau das wird derzeit beobachtet: Immer mehr Infektionen finden in Familien statt. Man kann den Dreijährigen zu Hause natürlich streng isolieren und in seinem Zimmer einsperren.
Ich frage mich, wann die Mobbinggefahr in der Klasse wohl größer ist: wenn man positiv getestet wird und sofort in Quarantäne geht, um die anderen zu schützen, oder wenn in Familien schwere COVID-Fälle auftreten, daraufhin die vielleicht symptomfreien Kinder getestet werden, positiv natürlich, daraufhin die ganze Klasse von Amts wegen getestet wird und man feststellt, dass Testverweigerer Lena-Sophie und Finn-Leander ebenfalls positiv sind? Ich habe da eine Vermutung. Wahrscheinlich ist ein Schulwechsel angebracht.


Das muss unbedingt verhindert werden, damit die zarten Kinderseelen keinen Schaden nehmen. Ein Anfang ist gemacht – es wird tatsächlich diskutiert, ob man Kinder mit positivem Schnelltest sofort aus der Klasse nehmen und isolieren darf. Das ist schließlich eine Stigmatisierung! Sollte man sie nicht noch bis zum Ende des Schultages in der Klasse lassen, damit sie ein halbes Dutzend anderer anstecken können? Im halben Dutzend trägt sich das Stigma bekanntlich leichter, und ist erst die ganze Klasse infiziert, verebbt der Spott von allein.
Wir sollten auch aufhören, von dieser Krankheit zu reden, als wäre sie gefährlich. Ist ja nur ein kindgerechter Schnupfen. Lisas Vater starb nicht an COVID19. Daran stirbt keiner. Der war mit 48 einfach schon verdammt alt, und alte Leute sterben manchmal. Die Mutti von Lukas ist nicht wegen COVID19 seit Monaten krank. Die hat einfach zu viel Eis gegessen und sich ganz toll den Magen verdorben. Mathelehrer Zahlmann ist gar nicht tot, sondern nur umgezogen und jetzt Lehrer in Bullerbü. Wir wollen die Kinder doch nicht nachträglich traumatisieren. Sonst würden sie am Ende ahnen, dass ihre Sorglosigkeit die Sorge der anderen ist.
Wenn ihr schon husten müsst, dann hustet leise. Und wenn ihr sterbt, dann sterbt achtsam.

PS: Meine Mutter starb, als ich 12 war. Wollen wir über traumatische Kindheitserlebnisse reden?

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Notfallblog: Mütend

Immerhin war die Polizei in Jena bereit, das Versammlungsverbot auch durchzusetzen …

Die Intensivstation des Jenaer Uniklinikums meldet, dass man keine freien Betten mehr hat und gezwungen ist, Kranke in andere Bundesländer zu verlagern. Am nächsten Tag rotten sich in Jena Querdenker zusammen, um für die Rettung ihrer Kinder vor Infektionsschutzmaßnahmen zu demonstrieren. Kleine, traumatisierte Querdenkerkinder tragen Gehörschutz, um ihr eigenes, nervtötendes Getrommel nicht hören zu müssen. Immerhin, die Polizei löst die absurde Veranstaltung zügig auf.
Was geht, denke ich, in diesen verschwurbelten Gehirnen eigentlich vor? Was in Eltern, die Schnelltests an ihren Kindern untersagen, weil Sonnenscheinchen seelischen Schaden nehmen könnte, wenn es gezwungen ist, auf einen Teststreifen zu spucken? Meinen sie ernsthaft, es sei weniger erschütternd für ihre heilige Rotzgöre, wenn es heißt: „Also Tante Heike kommt nicht mehr in die Kita. Die ist tot, weil du sie mit deinen Viren angesteckt hast.“
Für den Zustand ratloser Empörung, emotionaler Erschöpfung und mühsam unterdrückter Aggression hat das Internet ein Wort ausgespuckt: mütend, ein Kofferwort aus müde und wütend. Als ich es sah, fühlte ich mich verstanden. Seit über einem Jahr halte ich mich an alle möglichen Beschränkungen. Ich möchte endlich wieder irgendetwas anderes tun, als endlose Runden durchs Jenaer Paradies oder über die umliegenden Berge zu drehen.
Aber einerseits scheißen die Quarkdenker auf jegliche Vorsicht. Sie schleppen Plakate herum, auf denen „Frieden, Freiheit, Liebe“ steht, nehmen aber billigend in Kauf, dass ihrer Liebe wegen Menschen qualvoll ersticken. (Meine Kollegin hat es überlebt, aber ihre Schilderung war heftig.) Leute, dann verwendet wenigstens Kondome! Ich möchte ihnen ihre scheinheiligen Phrasen gern um die Ohren hauen, und glaubt mir, ich kann gut mit Stöcken umgehen, auch wenn ein Plakat drangenagelt ist.
Andererseits tut die Politik wenig bis nichts, um endlich die Pandemie zu stoppen. Der Gothaer Landrat (nicht CDU, sagt Siegfried, sondern SPD) regt sich allen Ernstes darüber auf, dass ihm das Bildungsministerium untersagt hat, bei einer Inzidenz über 300 die Schulen im Regelbetrieb zu öffnen. Was stimmt mit dem Mann nicht – abgesehen von seiner SPD-Mitgliedschaft? Es gibt weder die Aufhebung des Patentschutzes für COVID19-Impfstoffe (was rechtlich angesichts der Notlage möglich wäre), noch eine Testpflicht in Unternehmen. Von einer Kontrolle, ob man denn das Recht auf Homeoffice achtet, ganz abgesehen. Gibt es nicht. Wir arbeiten größtenteils zu Hause, aber es hat sich bis auf die Gewerkschaft („Wie funktioniert das bei euch?“) noch keiner danach erkundigt. Es ist den Behörden scheißegal. Es ist der Politik scheißegal. Sie machen Modellversuche, ob man die Inzidenz eher mit Unterricht oder mit Shopping in die Höhe treiben kann. In Thüringen!
Und praktisch täglich kommt irgendein Politiker auf die grandiose Idee, wir müssten unsere Freizeitaktivitäten mehr einschränken. Ich könnte aufhören zu bloggen. Ihr wisst ja, die Computerviren! Ich wollte, den Stuss würde mir mal einer ins Gesicht, also in die Maske, sagen. Damit ich ihn so richtig vollmüten kann, mit oder ohne requiriertes Querdenker-Plakat.

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Die B-Sehenswürdigkeiten von Merseburg

Merseburg ist für ungefähr zwei Dinge bekannt: die Zaubersprüche und Halle – am häufigsten kommt die Stadt als Teil 2 des Ballungsraums Halle-Merseburg vor. Das war das Zentrum der chemischen Industrie der DDR, und davon ist noch immer etwas übrig.
Ich hatte festgestellt, dass auch Merseburg einen Tierpark hat, der nicht abschließbar ist und deshalb im Gegensatz zum Waldtierpark in Gera auch in Pandemiezeiten geöffnet ist (Ich habe das schon vor über einer Woche geschrieben, und dann haute mir der Tod dazwischen. Derzeit sind die Tierparks in Thüringen wieder geöffnet). Ansonsten sind sie sich recht ähnlich, denn es gibt vor allem einheimisches Getier auf einem sehr großen Areal zu sehen. In Merseburg sind die Grünflächen überschwänglich mit Krokussen, Narzissen und Blausternen bepflanzt, und ich fragte mich wieder einmal, warum es Jena so überhaupt nicht gelingen will, ein paar Blumenbeete anzulegen und zu pflegen.
So, dachte ich nach mehreren Runden um Hirsche, Wildschweine, diverse Hühner, Mufflons und dergleichen, jetzt will ich aber auch noch was von der Stadt sehen. Die kühne Vermutung, das Zentrum müsste zu finden sein und Sehenswürdigkeiten ausgeschildert, erwies sich als Irrtum. Wir landeten in der König-Heinrich-Straße, die der Inbegriff von 50er Jahre DDR ist. Es sind die Straßenzüge, die man überall baute, wo der Krieg Ruinen und Bombentrichter hinterlassen hatte. Breite Allee, breiter Fußweg, die Häuser sehr solide, aber einen Tick wohlgefälliger als die kostenoptimierte Architektur der 1990er Jahre. Die Läden sehen nach Resterampe aus – nebenan hat man das unvermeidliche Einkaufszentrum hingeklotzt.
Schloss und Dom haben wir nicht gesehen, dafür eine Kirchenruine ohne irgendeinen Hinweis auf ihre Historie, das alte Rathaus und den Entenplan, auf dem ein sehr närrischer Springbrunnen herumspringt, in dessen Torbogen die ganze Merseburger Geschichte verewigt ist, auch die Plaste und Elaste. Ich fragte mich, warum in Jena die Springbrunnen frühestens im Mai angeschaltet werden und dann für etwa zehn Minuten pro Tag springen, wenn Merseburg das im Märzen und im Dauerbetrieb hinbekommt.
Schließlich gibt es am Bahnhof noch ein Wandbild aus der Zeit, als das Jahr 2000 die lichte Zukunft ohne Ausbeutung, Krieg und Hungersnöte war, in der man alle Kraft auf Wissenschaft und die Bekämpfung schwerer Krankheiten konzentrieren konnte. Um diese Zukunft ist es schade. Und um den grenzenlosen Opitimismus, den man damals hatte. Heute haben wir Schweinefirmen wie Amazon oder Tönnies, das Wort „Auslandseinsatz“ für Kriege und Rentner, die in den Papierkörben nach Pfandflaschen suchen. Die schwere Krankheit ist ein Anlass für Bereicherung, und ob sie bekämpft wird, hängt davon ab, welche Fraktion der Wirtschaft es schafft, genügend Politiker zu bestechen.
Irgendwann in der lichten Zukunft, in der wir geimpft sind und wieder in Museen dürfen, muss ich das mit Dom und Schloss nachholen. Eigentlich wollte ich ja ins Weltall und fremde Sterne erforschen, aber wir sind bescheiden geworden.

(Irgendein Bild anklicken, dann geht die Galerie auf und man sieht alles in voller Schönheit.)

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Mir komm späder nach

Die Zeiten sind trostlos. Normalerweise neige ich zum Galgenhumor, aber heute ist ein Stück Humor gestorben, und ich frage mich, was ich dazu sagen soll.
1981 ging ich in die elfte Klasse – im sächsischen Rochlitz, das so sehr die Hauptstadt der Kuhdörfer war, dass Bücher, die anderswo in Minuten vergriffen waren, wochenlang in der einzigen Buchhandlung herumlagen. Ich hatte es damals als schreibende Jugendliche in die Karl-Marx-Städter Literaturwerkstatt geschafft, wo sich jeden Monat wieder die älteren und erfahreneren schreibenden Arbeiter und Angestellten über meine Texte schieflachten. Ich lernte, dass ich offenbar kein Talent zu ernsthafter Literatur hatte. Damals schmuggelte ich das erste Buch von Matthias Biskupek, „Meldestelle für Bedenken“ von Rochlitz, wo es herumlag, gleich mehrfach nach Karl-Marx-Stadt, wo die schreibenden Amateure danach gierten. So war das in der DDR. Menschen, die Bücher schrieben, die tatsächlich gedruckt wurden, flößten mir Ehrfurcht ein.
Ein paar Jahre darauf begegnete ich dem leibhaftigen Matthias Biskupek in Dresden beim Arbeitskreis Dramatik. Wir waren die einzigen Nichtraucher der Runde, im Abstand von Luftlinie 20 km geboren und neigten zu bodenständigen Ansichten über Literatur. Schreiben, das war ein solides Handwerk wie Tische und Stühle bauen. Das fand ich damals tröstlich. Immerhin hatte ich die Pubertät gerade erst überwunden, und die Schreiberei war eine Abnormität, für die man sich immer und überall rechtfertigen musste. Ich habe außerdem von ihm gelernt, wie man eine Grapefruit isst, ohne sich sinnlos zu besauen – nicht mit dem Löffel, sondern mit einem spitzen Obstmesser.
Dann kam die Wende, und alle Zusammenhänge brachen zusammen. Wenn euch irgendwo das Buch „Der Quotensachse“ über den Weg läuft – es ist das einzig wahre Buch über die Wende, 1996, als wir fast alle noch im Panikmodus lebten, mit einer erstaunlichen Lustigkeit geschrieben. Dafür habe ich ihn auch bewundert. Damals mussten wir uns immer und überall dafür rechtfertigen, in der DDR gelebt zu haben und schlimmer – nicht grausam unter ihr gelitten zu haben. Da kam einer daher und bestätigte aufs Schönste, dass alles so absurd, zufällig und unheroisch zugegangen war, wie ich es erlebt hatte.
Jahrhunderte später und in einem anderen Land trafen wir uns bei einer Lesung wieder, und seither regelmäßig unregelmäßig bei Treffen des Thüringer Schriftstellerverbandes. Es war immer gut, wenn Matthias da war. Er wusste alles und kannte jeden und steckte voller Anekdoten. Er kümmerte sich um Leute. Und er fand an allem die komische Seite. Er war der erste Mensch außerhalb meines Heimatdorfes, der das Wort „verurachen“ verstand.
Im letzten Jahr warf die Pandemie alle Zeitpläne so oft über den Haufen, dass ich die Manuskriptwanderung ausließ, und statt der Weihnachtsfeier der Thüringer Schriftsteller gab es Lockdown. Und jetzt werden wir uns nie mehr sehen, weil Matthias einfach so gestorben ist, mit gerade einmal 70 Jahren. Was für eine rotzblöde Pointe.
Meine Welt ist gerade ein bisschen dunkler geworden. Mach’s gut, Matthias, mir komm dann späder nach …

(Das Foto habe ich auf Matthiasens Homepage gestohlen. Ich wäre glücklich, könnte ich ihn jetzt fragen: Du, hast du was dagegen, wenn ich das für einen Nachruf verwende?)

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Hinter den sieben Bergen

Thüringen besteht aus mehr als der A4 und dem Thüringer Wald. Echt wahr! Wenn einem die Stadt zum Halse heraushängt, bleiben die Nebentäler der Saale.
Der häusliche Gefährte hatte im mdr-Ländermagazin den Wetterbericht aus Schirnewitz – 88 Einwohner – gesehen und fand, da könnte man mal einen Blick werfen. Die Schirnewitzer Frauen bemalen Ostereier, mit denen der Ort üppig geschmückt wird. Tatsächlich sind es nicht nur bunte Plastikeier. Die allermeisten sind liebevoll händisch bemalt. Ich vermute, es ist ein schöner Vorwand, um zusammen zu sitzen, zu schwatzen und einen zu zischen. Aber in Zeiten, in denen Museen verriegelt und verrammelt sind, bieten die heidnischen Bräuche willkommene Abwechslung.
Von Kahla aus kommt man in den Reinstädter Grund. Das Saaletal ist ja schon eine unvorstellbare Erosionsleistung, aber auch der kleine Reinstädter Bach hat sich über Jahrmillionen tief in die Kalksteinplatten geschnitten. Die Berge sind so schön wie die um Jena. Es ist nur ruhiger.
Eigentlich war der Plan, von Geunitz zur Burgruine Schauenforst zu laufen. Das Problem: Auf dieser Seite gibt es keinerlei Hinweisschild oder gar eine Wegmarkierung. Der Anfang sah zwar gut aus, führte aber beharrlich nach Osten statt nach Süden. Irgendwann beschloss ich, von der anderen Seite anzugreifen, und wir kehrten um. Immerhin fand ich am Wegesrand ein Leberblümchen. Das ist in diesem Teil der Welt eigentlich nichts Aufregendes, aber dieses war nicht blau, sondern pink, und das ist ziemlich selten.
Da wir einmal in der Gegend waren, warfen wir wenigstens noch einen Blick auf die Wehrkirche und die Kemenate zu Reinstädt. Die fast 600 Jahre alte Kirche hat laut Wikipedia eine wunderschön bemalte Decke, ist aber natürlich geschlossen. Draußen stehen die Grabsteine der alten Rittersleut, und auf dem Friedhof blühten weiße Veilchen, was auch nicht ganz normal ist. Die Kemenate war Teil einer noch älteren Burg, ist allerdings ein ganz unromantischer Quader – und ebenfalls geschlossen. Die Ortschaft ist übrigens mehr als 1000 Jahre alt. Bis auf die Felder ringsum gibt nichts einen Hinweis darauf, wovon die rund 450 Einwohner eigentlich leben.
Auf der anderen Seite des Berges liegt im Hexengrund der Ort Rödelwitz – 3.5 km Luftlinie, aber 24 km Straße entfernt. Strecken fast wie in Nordnorwegen. In Rödelwitz gibt es Hinweisschilder für Wanderer, aber von da sind es auch nur noch anderthalb Kilometer bis zur Burgruine, deren Turm weit genug aus dem Wald ragt, dass man sich nicht verlaufen kann. Erbaut hat man die Burg vermutlich 1222, aber Mitte des 17. Jahrhunderts war sie schon eine dekorative Ruine, nachdem sie immer wieder die Besitzer gewechselt hatte. Allzu viel ist nicht übrig davon, aber man freut sich, irgendwas zu sehen, was man nicht jeden Tag sieht. Zu normalen Zeiten gäbe es eine Baude da oben, und vielleicht könnte man sogar auf den Turm steigen. Aber die Zeiten sind unnormal, und im Thüringer Hinterland gibt es noch nicht einmal einen brennenden Bratwurstrost – der erlaubt wäre. Jenseits der A4 liegt Thüringen im Dornröschenschlaf. Man sollte sich ein Wurstbrot mitnehmen.

(Eins der Bilder anklicken, um die Galerie zu öffnen)

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