Noch einer über Schwänze

In der Schule haben wir es alle irgendwann mal gelernt: Die Eidechse kann in Bedrängnis ihren Schwanz abwerfen. Der zappelt dann noch eine Weile, und der Fressfeind begnügt sich hoffentlich mit dem eher harmlosen Schwanz. Das sieht man nur sehr selten. Es sei denn, man bewegt sich in strahlendem Sonnenstein an einer Feldsteinmauer entlang und hat nichts besseres zu tun, als Eidechsen zu beobachten.

(auch die kann man durch anklicken größer machen)

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Museum für die Phantasie

Das “Museo Nazionale “G. A. Sanna” in Sassari erlaubt das Fotografieren ausdrücklich, wünscht sich aber im Gegenzug, dass man seine Fotos im Netz mit der Menschheit teilt. Ich bin nicht undankbar und komme der Bitte gern nach.
Allerdings ist das Museo nicht ganz unkompliziert. Nicht nur die Website ist komplett Italienisch. Für den, der das nicht selbst merkt, steht links oben extra “Italiano”, ohne dass man auf eine verständliche Sprache wie Englisch umschalten könnte. Glücklicherweise kann man mit Französisch-Grundkenntnissen begründete Vermutungen zu den Öffnungszeiten ableiten. Drinnen geht es leider so weiter. Bei den Exponaten findet sich hin und wieder eine englische Bezeichnung, aber die langen Texte, die archäologische Befunde und die entsprechenden Theorien erklären, – sind italienisch. So viel Bildung ist für Touristen gar nicht gut.
Aber immerhin findet man da einige der Funde aus den diversen nuraghischen Gebäuden und kann sich so seine Gedanken dazu machen. Phantasieanregend sind sie allemal. Für
historische Exaktheit verbürge ich mich allerdings nicht.

(auf eins der Bilder klicken, um die Galerie zu öffnen)

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Glück ist …

Orgosolo_eroi

Glücklich ist das Volk, das keine Helden braucht.

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Mehr als schöne Landschaft: Arzachena

Der Führer ist schuld. Fremdenführer rattern gemeinhin ihr Programm herunter, und man merkt ihnen an, dass das Gehirn längst nicht mehr beteiligt ist. Der am Hünengrab von Coddu Veccju bei Arzachena auf Sardinien ist anders. Er fängt zwar mit den lauwarmen Sprüchen für Touristen an (Warum heißt das jetzt Tomba die Giganti? Gab es hier Riesen?), aber es ist, als hätte er den ganzen Tag auf ehrliches Interesse gewartet. Irgendwann klagt er, die Touristen wüssten nur, dass Sardinien über “beautiful nature” verfügt. Das tut es, aber das ist nicht alles.

(zum Vergrößern anklicken)
Bei Italien und historischen Monumenten denkt der normale Mensch an Tempel und Arenen, vielleicht noch an Triumphsäulen und Theater. Aber Sardinien hat noch etwas anderes zu bieten: die Nuraghen-Kultur, angesiedelt irgendwo zwischen 1600 und 800 vor der Zeitrechnung, viel älter als das angebröselte Kolosseum. Die Nuraghier bauten Türme, drei ziemlich hohe Stockwerke hoch, zwölf Meter und mehr. Mitunter bauten sie noch kleinere drum herum, dazu eine Außenmauer und ringförmige Hütten. Besonderheiten der Nuraghen sind die in die Mauer integrierte Treppe und das falsche Gewölbe, auch Kraggewölbe genannt, eine Konstruktion, die den Physiker in Panik versetzt, aber doch teilweise Jahrtausende gehalten hat.
Außerdem haben sie riesige Galerie-Gräber mit recht unbescheidenen Frontmauern gebaut. Man begann mit einem einzelnen Dolmen und baute dann Stück für Stück an. Der Führer legt Wert darauf, dass es nicht die Grabstätten einzelner Häuptlinge waren, sondern die Gräber der ganzen Gemeinschaft. Ebenso wie die Nuraghen nicht eine Burg des Adels, sondern eher ein trutziges Rathaus waren.
Wenn man piktische Brochs und die Wheel Houses auf den Shetlands gesehen hat, ist es unmöglich, die Ähnlichkeit nicht zu sehen. Allerdings war das mit den Pikten gute 2000 Jahre später, und es ist schwer vorstellbar, dass irgendein irrsinniges Volk von Sardinien nach Schottland ausgewandert sein soll. Gemeinsame Vorfahren? Aber wo sind dann die Nuraghi in Deutschland oder Frankreich? In Frankreich hat immerhin das absurde Gewölbe überlebt – bei Hirtenhütten.
Es darf gegrübelt werden, wie die Nuraghi nach Schottland kamen – oder ob man das Rad bzw. den Wohnturm zweimal erfand. Aber eines ist sicher: Es gibt mehr als nur schöne Landschaft auf Sardinien, und gelegentlich gibt es Fremdenführer, die wirklich wissen, wovon sie reden.

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Fränkisches Fundstück: Ohne Punkt und Komma

Woerschdla

… dafür leider mit einem Deppenapostroph im Untertitel.
Als erblich Unbelastete muss ich allerdings feststellen: Die Thüringer sind besser. Einerseits ist der Senf in Thüringen nicht süß, sondern scharf, andererseits schmecken die Würschte auch ohne Senf einfach wurschtiger als die Wörschdla.

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Die Sonne …

… ist auch nur ein Mond ohne Krater:

Achtelmond, 22.03.2015

Achtelmond, 22.03.2015

Viertelsonne, 20.03.2015

Viertelsonne, 20.03.2015

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Mit Eselsohren vor der Tür

Eichplatz_032015Ich bin in barbarischen Zeiten aufgewachsen, in denen man in der Schule notorische Störenfriede in die Ecke oder vor die Tür stellte, damit sie in Ruhe darüber nachdenken konnten, was sie gerade falsch gemacht haben. Im Asterix-Band “Wie Obelix als kleiner Junge in den Kessel fiel” (oder so ähnlich. Den habe ich auf Französisch gelesen) muss der Delinquent dazu eine Mütze mit Eselsohren tragen. Ausgrenzen reicht nicht – man muss auch lächerlich gemacht werden, damit die Lektion sitzt.
Im Moment stehe ich mit Eselsohrenmütze vor der Tür des Rathauses. Nicht allein, aber ich ganz besonders.
Vor einem Jahr hatten die Jenaer entschieden, den Eichplatz, Kirchplatz und die Rathausgasse nicht komplett mit einen Einkaufscenter zuklotzen zu lassen. Das liebe, närrische Nest hatte gezeigt, wozu es fähig ist. In dieser Stadt ist alles möglich, dachte ich, als ich 1983 zum ersten Mal da war. Daran hat sich nichts geändert.
Jetzt zeigt unsere Stadtregierung, dass sie so nicht mit sich umspringen lässt. Seit Wochen läuft die PR-Maschine hoch: “Jena muss auf der Überholspur bleiben”, “Wir laufen Gefahr, abgehängt zu werden”, “Wie kommen in den Ruf, keine großen Projekte stemmen zu können”, “Beim Einzelhandel steht die Ampel auf Rot”. So  weit, so nichtssagend. Wir machen uns extra idiotische Kennziffern, um bei – realistischerweise unausweichlichem – Nichterfüllen in Panik geraten zu können.
Für die Bürgerbeteiligung holt man sich 30 nach irgendwelchen, kaum durchschaubaren Kriterien ausgewählte Bürger zusammen. Viel war von “unbelastet” und von “frischen Ideen” die Rede. Man hätte auch sagen können: Bürger ohne tiefere Sachkenntnis, die sich von Experten beeindrucken lassen (die nach meiner Erfahrung je nach Lage das Blaue vom Himmel zusammenlügen). Die Experten sind die gleichen wie vor einem Jahr, gänzlich unbelastet natürlich.
Die Bürgerinitiativen allerdings stellt man vor die Tür. Es ist ein Signal. Während mit viel Gelaber “Neue Wege der Bürgerbeteiligung” zusammengeschustert werden, stellt man eines klar: Wer sich beteiligt, wird bei nächstbester Gelegenheit kaltgestellt. Wer gar erfolgreich ist, verliert das Recht, sich zu beteiligen. Nur wer den Arsch nicht vom Sofa kriegt, der darf mitmachen, denn der stört nicht. Bürgerbeteiligung geht nur mit Bürgern, die kein Interesse daran haben.
Es ist durchaus verwunderlich: Die Verlierer bestimmen, wie es weitergeht und wer mitreden darf.
Ich stehe mit Eselsohren vor der Tür. Aber he – da sehen sie nicht, was ich tue. In Katalonien ist der Esel Symbol deus Widerstandes, und die Narrenkappe verleiht Narrenfreiheit. Sie werden schon sehen, was sie davon haben.

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