Norwegen ist das Vorzeigeland für Elektromobilität. Auch auf Svalbard, wo es verglichen mit dem äußerst bescheidenen Straßennetz erstaunlich viele Autos gibt. Ein Großteil davon ist elektrisch. Ladesäulen, die in Deutschland ein Riesenproblem sind, stehen vor jedem Haus – sind aber auch keine technologischen Meisterleistungen, sondern Steckdosen an einem Holzpflock. Klingt gut? Klingt gut.
Blöderweise ist es mit erneuerbaren Energien im hohen, sehr hohen Norden so eine Sache. Sonne gibt es nur im Sommer – falls nicht gerade die Wolken auf dem Erdboden schleifen. Das tun sie häufig. Wind gibt es genug, aber wie soll man im Permafrost Windräder stabil verankern? Hier kippen mitunter Häuser um, obwohl alle auf Stelzen stehen. Wasser gibt es reichlich – im Sommer. Sobald kein Schnee mehr schmilzt, frieren die Flüsse ein. Außerdem sind sie jedes Jahr woanders, mal ein paar Meter weiter links, mal rechts, mal auf beiden Seiten. Sie haben keine ordentlichen Flussbetten. Biomasse gibt es praktisch nicht. Was immer wächst, wird von Vögeln oder Rentieren abgefressen.
Bis letztes Jahr wurde das Elektrizitätswerk von Longyearbyen mit Steinkohle aus Longyearbyen betrieben. Dann entschied der Bergbaukonzern, dass der Abbau sich nicht mehr lohnt, und schloss Grube Nummer 7. Man baute das Kraftwerk auf Diesel um.
Das heißt, die umweltfreundlichen Autos werden mit Strom aus Diesel betrieben, was wegen der zusätzlichen Energieumwandlung weniger effizient ist als direktes Fahren mit Diesel. Die Motorschlitten, von denen hunderte herumstehen, werden ohnehin mit Diesel betrieben – weil Batterien mit knackigen -20°C nicht so gut zurechtkommen.
(Für alle, die jetzt das Dunkelflaute-Argument schwenken: In Deutschland gibt es stabilen Boden, das ganze Jahr über Sonne (in wechselnden Mengen), sehr , ordentliche Flüsse und Unmenge von Biomasse. Deutschland ist nicht Svalbard.)
















