Das wahre Leben: Chinesisches Abendessen

… oder was man sich im Traume nicht vorstellen könnte

„Das sind Erdnüsse!“
„Ja, ich weiß. Die sind gut, aber auch furchtbar kompliziert, weil sie rund sind.“
„Isst du keine runden Dinge?“
„????? … äh, ich esse normalerweise nicht mit Stäbchen.“
„????? … oh.“

Wie ich danach feststellte, komme ich inzwischen auch mit runden chinesischen Dingen klar, nur irgendwelche Glibberwürfel aus Reismehl sind nach wie vor ein Problem – aber das ist nasse Seife auf Fliesen auch.

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Weich im Moospolster eingebettet

Mahonie

Auch die Mahonie zeigt in Thüringen invasive Neigungen

Anfang 2014 fragte die grüne Thüringer Landtagsabgeordnete Jennifer Schubert den CDU-Umweltminister nach invasiven Pflanzen, etwa wie man die Gefahr der Ausbreitung in die freie Natur einschätze oder welche Kostenentwicklung für die Bekämpfung man erwarte. Kluge Fragen. Die Grünen waren damals noch Opposition.
2015 und eine Regierungsbeteiligung später zeichnet Anja Siegesmund (Grüne), inzwischen Umweltministerin, ein noch nicht existierendes Stadtbaumkonzept des Thüringer Institutes für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK) mit dem Thüringer Umweltpreis aus. Macht 5.000 € und die Referenz, dass es ja gut sein muss, weil es ausgezeichnet wurde. Mehrere Mitarbeiter des privaten ThINK sind auch Mitglieder im Kreisverband Jena der Grünen. Mit ausgezeichnet wird die Pflanzempfehlung für allgemein als invasiv bekannte Arten wie Gemeine Robinie, Rot-Esche, Amerikanische Gleditschie oder Rot-Eiche. Die Robinie kam bei Schubert noch als Negativbeispiel vor. Mein Liebling im Konzept ist allerdings der Sachalin-Korkbaum, eingestuft mit „als Straßenbaum ungeeignet“. Er wird deshalb für größere Freiräume wie in den Eigenheimsiedlungen Fuchslöcher und Himmelreich vorgeschlagen – in nächster Nähe zur freien Natur. Auch er ist invasiv. Gute Startbedingungen.
Dabei wird immer wieder behauptet, auf invasive Arten könnte man unmöglich verzichten, weil sie die einzigen seien, die in hoch versiegelten, überhitzten und trockenen Innenstadtbereichen überleben könnten, auf dem Eichplatz zum Beispiel. Dort wachsen jede Menge Ahornblättrige Platanen, wie man sie auch in Südfrankreich an jedem Straßenrand findet, unter anderem auf der urbanen Hitzeinsel Marseille. Da ist es tatsächlich wärmer und trockener als bei uns, und die Platanen überstehen das. Warum müssen wir dann im Himmelreich Sachalin-Korkbäume auf die grüne Wiese pflanzen? Weil die Rathausgasse zu stark versiegelt ist?
Die Spezialisten des ThINK können sich auf die Unterstützung des Stadtentwicklungsdezernenten (Grüner) und der CDU/SPD/Grüne-Koalition verlassen. Die Abweichler aus CDU und SPD hat man inzwischen auf Kurs gebracht, damit sie nicht doch noch dem Piraten-Antrag zum Verzicht auf invasive Arten zustimmen. Sie verkündeten nach der Abstimmung, „zerrissen“ zu sein. Die Grünen muss keiner auf Kurs bringen: Stadtrat Heiko Knopf (Grüne) lobt überschwänglich die tolle Arbeit von Projektleiter Daniel Knopf (ThINK). Ist sicher nur ein Zufall, denn verwandt können die unmöglich sein. Da würde man sich ja schämen.
Nein, in Jena haben wir keinen Filz. Wir haben ein Moospolster. Das ist an sich zwar nicht invasiv, aber doch eine Bedrohung für die Jenaer Ökosysteme.

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Die Hölle beginnt hier

FraportEs ist wieder mal soweit: Flughafen. Frankfurt gehört zu den widerlicheren Exemplaren, und das beginnt damit, dass der Check-in aus Richtung des Sky-train nicht ausgeschildert ist.
In der Vorhalle demonstriert die halbe Umgegend gegen den Bau eines dritten Terminals und für ein Nachtflugverbot. Der Lärm ist infernalisch. Aber vermutlich ein Witz gegen das, was sie allnächtlich über den Köpfen haben.
Wenige Meter dahinter will man meine Bordkarte sehen.
Danach der Sicherheitscheck. Gehorsam ziehe ich meine Jacke aus, packe den Laptop aus dem Rucksack, den Pass aus der Hosentasche. Das reicht nicht. Aus meiner Hosentasche lugt ein Ende eines Taschentuchs. Also muss auch das vollgerotzte Tempo in die Kiste. Es ist peinlich, aber noch nichts gegen den Körperscanner. Füße  auseinander, Arme über den Kopf. Unbewusst warte ich darauf, dass einer „Auf den Boden, auf den Boden!“ schreit. Alles in Ordnung, meint das Gerät. Das reicht nicht, denn mein rechtes Handgelenk hat im Moment eine Tastatur-Allergie und trägt deshalb eine Bandage. Die muss runter und in aller Ausführlichkeit betatscht werden.
Am Ende des Scannerbandes türmen sich die Kisten: Laptops, Handys, Pässe, Portemonnaies. Jeder könnte alles mitnehmen, und die Sicherheitskräfte interessiert es einen Dreck. Die machen einfach weiter.
Das war’s, denke ich, und laufe geradewegs in die automatische Passkontrolle. Eine Frau versucht mir zu helfen, aber das ist nicht die erste automatische Kontrolle, die ich
sehe. „Ja, genau so“, sagt sie, und ich komme mir vor wie ein Schüler, der den Rand im Heft ordentlich gezogen hat. Aber die Gesichtserkennungssoftware hat Probleme mit
meinem genervten Ausdruck.
Das war … Nein. Unmittelbar hinter der automatischen Passkontrolle ist die manuelle Passkontrolle, und man winkt mich freundlich näher, schaut angewidert in meinen Pass,
scannt ihn. Ich platze fast an der Frage, warum man eigentlich das automatische Dings installiert hat, wenn man dann doch noch mal händisch kontrolliert. Nein, das ist nicht
mein erster Flug, und ich habe gelernt, dass Klugscheißerei bei Leuten von der Grenzkontrolle gar nicht gut ankommt.
Dann darf ich tatsächlich aufs Gate, und ich weiß: Es ist das Tor zu zehn Stunden Hölle in einer Sardinenbüchse, nur ohne Öl.
Danke, dass Sie sich für den Flughafen Frankfurt entschieden haben, tönt es weichgespült aus den Lautsprechern. Haben die eine Ahnung …

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Sprachmurks: die Bürgenden

Jena möchte sich neue Leitlinien für Bürgerbeteiligung geben und hat sich zu diesem Zwecke die „Agentur für crossmediale Bürgerbeteiligung“ Zebralog angeheuert. Die Debatte mit „der Politik“, also den Stadträten, hatte man schon einmal mangels Interesse verschoben. Jetzt fand sie doch statt. Die beiden Zebralog-Mitarbeiter und der zuständige Dezernent saßen einer illustren Runde aus je einem Vertreter von CDU und SPD und den üblichen Verdächtigen gegenüber: Clemens, Frank und mir von den Piraten. Der Stadtrat hat nicht weniger als sieben verschiedene Parteien und eine freie Wählergemeinschaft.
Wir hatten schon zwei Stellungnahmen abgegeben, aber auch Version 2.1 hatten wir alle drei mit Bemerkungen vollgekleckert. Ein Blick auf den vollgekritzelten Papierwust bei Clemens erzeugte bei mir ein breites Grinsen – wir hatten denselben Satz angestrichen:
„Bürgerinnen und Bürger werden auf dieser Ebene zu Ideen- und Feedback-Gebenden oder zu Mitgestaltenden und Partnerinnen und Partnern der Entscheidungsvorbereitenden in der Verwaltung.“
Seine volle Schönheit entfaltet dieser Höhepunkt gendergerechter Formulierungskunst im Zusammenspiel mit diesem Satz fünf Seiten weiter:
„Bei allen Informationen sollen allgemein verständliche Texte verwendet werden und wichtige Materialien in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt werden.“
Ich kritzelte auf einen von Clemens‘ Post-it-Zetteln: „Soll ich beantragen, überall Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung zu schreiben?“  Bürgerbeteiligung ist ein ziemlich ausgrenzender Begriff, nicht wahr? Ich weiß gar nicht, warum ich mich angesprochen fühle.
„Einwohnendenbeteiligung“, flüsterte Clemens.
„Bürgendenbeteiligung“, konterte ich.
Dann starteten wir die verbalen Kettensägen.

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Politik-Walzwerk

Eine der Segnungen der Arbeit in einem internationalen Großkonzern ist es, regelmäßig mit Unternehmensrichtlinien zu allem und jedem beglückt zu werden. Gelegentlich probe ich auch mal den Aufstand – ansonsten müsste ich mir hier jeden Blogpost von der Abteilung Unternehmenskommunikation freigeben lassen. Derartige Anwandlungen hatte man bereits. Meist aber lasse ich den hochqualifizierten Unsinn mit einem Seufzer über mich ergehen.
Immerhin ist man inzwischen zu der Erkenntnis gelangt, dass Deutschland kein Teil der Vereinigten Staaten ist und die Amtssprache nicht Englisch, sondern Deutsch sein könnte (In Deutschland hat man 275 Mitarbeiter, dazu 285 in Wien, wo man auch so etwas wie Deutsch spricht). Man hat für die Belehrung über die IT-Richtlinie deshalb eine deutsche Übersetzung angeboten:

Walzprogramm

Jetzt frage ich mich allerdings, wo ich das Walzprogramm für meine politischen Erklärungen herbekommen soll. Aber es erklärt, warum es Stadträten der Koalition immer wieder gelingt, die Aussage: „Wir finden das gut, weil der OB es haben will“ auf zehn Minuten auszuwalzen. Die haben das schon!

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Frühling!- wieder Ikebana in Tiefurt

Auch in diesem Jahr feiern die Ikebana-Gruppen aus Jena, Weimar und Erfurt Ostern mit einer Ausstellung in der Mühle in Tiefurt bei Weimar. Ich selbst habe zwar ein eher anarchisches Gartenkonzept, das darin besteht, die Blumen daran zu hindern, sich gegenseitig umzubringen, aber die strenge japanische Kunst der Blumenanordnung fasziniert mich trotzdem jedes Jahr wieder. Man sieht Dinge, die man sonst nie sieht, weil sie einem nie so deutlich gezeigt werden. Es steckt viel Liebe darin. Zum Haareraufen lieblos ist dagegen die zugehörige Website, weswegen ich hier einfach mal Werbung mache. Ostersonntag und -montag ist die Ausstellung von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Nebenan ist der Park von Schloss Tiefurt, und der ist auch sehr schön, obwohl er gerade erst anfängt, sich zu begrünen.

Eins der Bilder anklicken, um die Galerie zu öffenen.

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Das schöne Gift: die Robinie

Robinie

Diese Robinie hatte man eigentlich schon gefällt, um den Kalksteinfelsen zu schützen. Stört sie aber nicht.

Die wohl problematischste invasive Pflanzenart dürfte die Robinie sein. Nicht weil sie so wahnsinnig aggressiv wäre, sondern weil sie etliche Fürsprecher hat.
Robinien haben ein sehr gutes Holz, das nicht fault, biegsam, fest und hart ist. Ähnliche Eigenschaften findet man sonst nur bei Tropenhölzern. Das weckt Begehrlichkeiten bei der industriellen Forstnutzung. Die um Jena heimische Buche kommt da nicht mit. Es gibt sogar kurzsichtige Umweltschützer, die meinen, Robinienanbau bei uns sei doch besser als die Abholzung des Regenwaldes. Nein, ist er nicht. Er ist nur anders schädlich.
Auch die Imker mögen die in Mai und Juni üppig blühenden Bäume. Das Ergebnis kommt als „Akazienhonig“ auf den Markt. Das ist Unsinn, hat sich aber so eingebürgert. Der Honig ist dünnflüssig und hell und deutlich teurer als etwa der Lindenblüten- oder Rapshonig.
Schließlich wären noch die Baumschulen und Gartenbaubetriebe und ökologisch unterbelichtete Stadtarchitekten, die die „Blühaspekte“ preisen. Das Wort verstößt gegen das Folterverbot, aber das ist weniger wichtig. Die Robinie hält alles aus, was gedankenlose Stadtplaner Straßenbäumen zumuten: Salzeintrag, Bodenverdichtung, Versiegelung, Trockenheit, Hitze – bis hin zu Rauch und Ruß. Noch resistenter ist eigentlich nur ein Plastiktannenbaum. Manche Leute erwarten von Bäumen nur, dass sie irgendwie grün aussehen und Schatten werfen. Sie können einen grünen Sonnenschirm nur im Herbst von einem Baum unterscheiden, weil er kein Laub abwirft. Auf ökologische Einwände reagieren sie mit einem genervten: „Sieht doch gut aus, oder?“
Mit anderen Worten: Die Verbreitung der Robinie wird weitgehend vom Menschen betrieben. Der Baum selbst muss sich gar nicht so sehr anstrengen. Allerdings samt er auch schon nach wenigen Jahren aus, die Samen fliegen etwa 100 Meter weit, und wenn man den Baum absägt, schlägt er aus den Wurzeln wieder aus. Wie der Götterbaum sprießt sie gern aus Bahndämmen und verursacht da entsprechenden Aufwand für die Bekämpfung. Außerdem verändert die Robinie das Erdreich und gefährdet damit vor allem Magerrasenbiotope. Als typischer Schmetterlingsblütler lebt sie mit Knöllchenbakterien in Symbiose und reichert Stickstoff im Boden an. Das ist das Gegenteil von mager, und deshalb gehen die entsprechenden Hungerspezialisten schnell verloren. Stattdessen fühlen sich da Stickstoffjunkies wie Brennnessel und Giersch wohl. Offene Flächen liebt sie zudem ganz besonders, weil sie viel Sonne braucht.
Die gesamte Pflanze ist übrigens stark giftig, weswegen es eine besonders dumme Idee ist, sie auf Spielplätzen anzupflanzen. Immerhin hat sich inzwischen ein Schädling gefunden, die Robinien-Miniermotte. Was daraus noch wird, weiß kein Mensch.

Ich habe kein wirklich schönes Robinien-Foto und verweise deshalb auf Wiki. Sobald das Zeug hier wieder blüht, vervollständige ich die Sammlung.

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