Das Leben ist erstaunlich. Es breitet sich überall aus, nur um dann festzustellen, dass die Gegend eigentlich nicht für Lebewesen gemacht ist – und mit viel Mutation und Anpassung doch noch eine Nische zu finden.
Gerade einmal vier Säugetieren ist es gelungen, sich auf Svalbard zu etablieren: dem überall herausgestellten Eisbären (den man natürlich nirgends sieht), Rentier, Polarfuchs und einer unabsichtlich eingeschleppten Wühlmaus. Nur ein einziger Vogel, das Schneehuhn, überwintert auf dem Archipel.
Da stellt sich bei näherem Hindenken sofort die Frage: Wovon leben die Füchse eigentlich im Winter? Im Sommer versuchen sie vehement, Kücken von Kurzschnabel- oder Weißwangengans zu erbeuten, die in Longyearbyen auf jeder Wiese herumschnattern. Die Gänse schätzen das nicht und bilden einen laut keifenden und flügelschlagenden Ring um ihren Nachwuchs. Der Fuchs rennt außen herum und versucht, sie zu verwirren.

Aber im Winter? Da sind die Gänse längst groß und nach Schottland geflogen. Vielleicht findet sich irgendwo ein totes Rentier. Oder ein Schneehuhn (das selten zu sein scheint, jedenfalls in der „City“). Eigentlich müsste er verhungern.
Man muss ins Museum gehen, um das Rätsel aufzudröseln – und um zu verstehen, was man schon gesehen hat. Der Polarfuchs stiehlt Gänse, bevor sie geschlüpft sind. Er bunkert Eier für den Winter. Der Fuchs, denke ich, ist kein Eichhorn. Wie kommt er auf die Idee? Reine Not, die erfinderisch macht.

Natürlich erklärt das nicht alles, etwa die Frage, wie es dem Fuchs im Winter gelingt, steinhart gefrorene Gänseeier zu fressen. Er hat ja keine Mikrowelle zum Auftauen. Übrigens sollen manche Füchse auch Fische fangen. Mit all dieser Mühe und Cleverness überlebt der Polarfuchs nur drei bis vier Jahre. Was hat sich das Leben dabei nur gedacht?














