Fränkisches Fundstück: Ohne Punkt und Komma

Woerschdla

… dafür leider mit einem Deppenapostroph im Untertitel.
Als erblich Unbelastete muss ich allerdings feststellen: Die Thüringer sind besser. Einerseits ist der Senf in Thüringen nicht süß, sondern scharf, andererseits schmecken die Würschte auch ohne Senf einfach wurschtiger als die Wörschdla.

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Die Sonne …

… ist auch nur ein Mond ohne Krater:

Achtelmond, 22.03.2015

Achtelmond, 22.03.2015

Viertelsonne, 20.03.2015

Viertelsonne, 20.03.2015

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Mit Eselsohren vor der Tür

Eichplatz_032015Ich bin in barbarischen Zeiten aufgewachsen, in denen man in der Schule notorische Störenfriede in die Ecke oder vor die Tür stellte, damit sie in Ruhe darüber nachdenken konnten, was sie gerade falsch gemacht haben. Im Asterix-Band “Wie Obelix als kleiner Junge in den Kessel fiel” (oder so ähnlich. Den habe ich auf Französisch gelesen) muss der Delinquent dazu eine Mütze mit Eselsohren tragen. Ausgrenzen reicht nicht – man muss auch lächerlich gemacht werden, damit die Lektion sitzt.
Im Moment stehe ich mit Eselsohrenmütze vor der Tür des Rathauses. Nicht allein, aber ich ganz besonders.
Vor einem Jahr hatten die Jenaer entschieden, den Eichplatz, Kirchplatz und die Rathausgasse nicht komplett mit einen Einkaufscenter zuklotzen zu lassen. Das liebe, närrische Nest hatte gezeigt, wozu es fähig ist. In dieser Stadt ist alles möglich, dachte ich, als ich 1983 zum ersten Mal da war. Daran hat sich nichts geändert.
Jetzt zeigt unsere Stadtregierung, dass sie so nicht mit sich umspringen lässt. Seit Wochen läuft die PR-Maschine hoch: “Jena muss auf der Überholspur bleiben”, “Wir laufen Gefahr, abgehängt zu werden”, “Wie kommen in den Ruf, keine großen Projekte stemmen zu können”, “Beim Einzelhandel steht die Ampel auf Rot”. So  weit, so nichtssagend. Wir machen uns extra idiotische Kennziffern, um bei – realistischerweise unausweichlichem – Nichterfüllen in Panik geraten zu können.
Für die Bürgerbeteiligung holt man sich 30 nach irgendwelchen, kaum durchschaubaren Kriterien ausgewählte Bürger zusammen. Viel war von “unbelastet” und von “frischen Ideen” die Rede. Man hätte auch sagen können: Bürger ohne tiefere Sachkenntnis, die sich von Experten beeindrucken lassen (die nach meiner Erfahrung je nach Lage das Blaue vom Himmel zusammenlügen). Die Experten sind die gleichen wie vor einem Jahr, gänzlich unbelastet natürlich.
Die Bürgerinitiativen allerdings stellt man vor die Tür. Es ist ein Signal. Während mit viel Gelaber “Neue Wege der Bürgerbeteiligung” zusammengeschustert werden, stellt man eines klar: Wer sich beteiligt, wird bei nächstbester Gelegenheit kaltgestellt. Wer gar erfolgreich ist, verliert das Recht, sich zu beteiligen. Nur wer den Arsch nicht vom Sofa kriegt, der darf mitmachen, denn der stört nicht. Bürgerbeteiligung geht nur mit Bürgern, die kein Interesse daran haben.
Es ist durchaus verwunderlich: Die Verlierer bestimmen, wie es weitergeht und wer mitreden darf.
Ich stehe mit Eselsohren vor der Tür. Aber he – da sehen sie nicht, was ich tue. In Katalonien ist der Esel Symbol deus Widerstandes, und die Narrenkappe verleiht Narrenfreiheit. Sie werden schon sehen, was sie davon haben.

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Keine Wahlwerbung: Zielgruppe verfehlt

Hier kommt eines meiner beliebten Bilderrätsel: Wofür wirbt wohl das untere Plakat?
Liebe_Deine_Stadt
Ich wusste die Auflösung leider schon, ehe ich das erste davon zu sehen bekam. Zunächst waren sie übrigens ohne die weiße Banderole. Vielleicht sollten sie neugierig machen. Aber auf mich wirkten sie eher wie Werbung für den Muttertag oder irgendeine Schlagerparade – so angepasst, brav, langweilig. Hinzu kommt, dass das Blau beim Druck absolut abgesoffen ist und mit dem hellen Jena-Blau nichts gemeinsam hat.
Zur Auftaktveranstaltung “Leitlinien für die Bürgerbeteiligung” waren inklusive Presse keine hundert Leute anwesend. Zieht man Presse und Verwaltung ab, waren es vielleicht 50 oder 60. Eins kann man den Jenaern eigentlich nicht vorwerfen: dass sie sich nicht einmischen würden. Trotzdem traf man fast ausnahmlos die üblichen Verdächtigen. Ja, Clemens und Frank waren natürlich auch da, aber auch die anderen üblichen Verdächtigen: der gesamte Stadtentwicklungsausschuss, ein paar andere Politiker, ein Großteil der BürgerAG Eichplatz, die junge Gewerkschafterin, der Bursche von der Open Knowledge Foundation … Also im Grunde die, die man immer trifft, wenn in der Stadt irgendwas passiert.
Die Eichplatz-AG hatte sich selbst per e-Mail aktiviert. Wenn niemand sonst da war, dann ging die Werbung wohl an der Zielgruppe vorbei. Die beteiligungswütigen Bürger mögen vielleicht keine Schlager. Hätte ich das Plakat machen müssen, wäre es anders ausgefallen: brutal kontrastreiches Schwarz-Weiß-Rot, Buchstaben in groben Pinselstrichen und MISCH DICH EIN! Der Untertitel wäre auch weniger hölzern ausgefallen. “Arbeite mit, plane mit, regiere mit!” wäre ebenfalls ein schöner Ansatz mit einem ironischen Dreh für die DDR-Bürger unter uns.
Nach einer kurzen Einführung erwies sich die Veranstaltung als World Café: Man zog von Tisch zu Tisch und kritzelte auf das “Tischtuch” seine wüsten Gedanken zum jeweiligen Tisch-Thema. Eigentlich sollte man auch diskutieren, aber das Volksbad* hallt viel zu sehr, um zu verstehen, was am anderen Ende des Tisches gesprochen wird. An zwei Tischen wurde der Bürger gleich auf Linie gebracht, wenn er etwas zu falschen Thema sagen wollte. Ordnung muss sein in der Liebe! Und bloß keinen Zweifel daran äußern, dass einen die Stadt auch zurückliebt.
Am Ende stand x-mal “EICHPLATZ” auf den Tischdecken, aber ebenso, dass man die erklärte Meinung der Bürger auch umsetzen müsste. Was daraus wird? Wer weiß. Wahrscheinlich wird man es katalogisieren, eine tolle Präsentation daraus basteln – und nicht umsetzen.
Zu denken gab mir, dass die fast bürgerfreie Bürgerbeteiligung von einer “neutralen” Moderatorin geleitet wurde, die sich bei näherem Hinsehen als sachkundige Bürgerin der Grünen im Werkausschuss des Eigenbetriebes Kommunale Immobilien Jena erwies. In Jena gibt es keinen Filz. In Jena gibt es Moospolster.

* Für Nicht-Jenaer: Aus dem Bad hat man vor geraumer Zeit das Wasser abgelassen, um den Leuten keine Alternative zum Spaßbad zu lassen.

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Utopische Stadtratsbeschlüsse

BV14_2411-BVSeit vier Jahren ringt Jena um die Frage, ob man das Fußballstadion einfach mal sanieren sollte oder doch lieber eine Multifunktionsarena mit Kongresszentrum, Pauken und Trompeten bauen. Der Beschluss vom 26.02.2024 liegt schon vor.
Pessimisten halten die Zahl für realistisch.

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Mach’s gut, und danke für alles …

Es war 1992 und ich auf der Flucht vor der Arbeitslosigkeit. Im Bahhofskiosk von Göttingen fiel mir ein Buch in die Hand, das den Aufdruck “Der Douglas Adams der Fantasy” trug. Ob es das oder das irrwitzige Josh-Kirby-Cover war – ich griff zu und las rein. Gekauft habe ich es, weil ich die Idee einer tatsächlich scheibenförmigen Welt so irrsinnig dreist und interessant fand.
Die Story ist eigentlich simpel: Ein sterbender Zauberer drückt mit letzter Kraft seinem Erben, dem gerade eben geborenen achten Sohn eines achten Sohnes, seinen Zauberstab in die Hand. Er hätte allerdings besser hinsehen sollen, denn der Sohn ist tatsächlich eine Tochter. Deren Weg in die angestaubte Männerwelt der Zauberei ist der Beweis, dass Feminismus schreiend komisch sein kann – und eine Parodie auf die “Erdsee”-Trilogie von Ursula LeGuin, die erst Jahre später feststellte, dass die Frauen bei ihr irgendwie zu kurz kommen.
Ich dachte: Genau so muss Fantasy sein. Nicht diese schicksalhaften Epen über wahre Bestimmungen und rechtmäßige Könige, sondern die Geschichte einfacher Leute mit ganz heutigen Problemen und einer gehörigen Portion Frechheit. Später habe ich noch mehr gelernt, etwa den eigentlich simplen Taschenspielertrick, mit dem man verhindert, dass der Leser das Buch aus der Hand legt. Die Neigung, Klischees auf den Kopf zu stellen, hatte ich vermutlich schon vorher, aber ich fühlte mich aufs Schönste bestätigt.
Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, auf einem Hitchhiker-Band mit dem Aufdruck “Der Terry Pratchett der Science Fiction” im Buchhandel zu finden, aber das ist dann doch nicht passiert. Die Realität hat keinen Humor.
Gestern hat der Tod seinen Schöpfer geholt. Wenn die Welt gerecht ist, dann war es eine schrullige Gestalt, die bei Bedarf auch mal den Weihnachtsmann gibt. Und das Jenseits ist eine scheibenförmige Welt, die auf dem Rücken von vier gigantischen Elefanten ruht, die wiederum auf einer undenkbar großen Schildkröte stehen.
Mach’s gut, Terry, und danke.

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Das wahre Leben: Geschlechtergerechte Piraten

puttenich: Wo wir alten Säcke gerade mal unter uns sind …

Clemens: Alte Säckinnen, in deinem Fall.

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