Geld ist Freiheit

Seine Tage sind gezählt - Spendenschwein der Piraten

Seine Tage sind gezählt – Spendenschwein der Piraten

Dass man mit mehr Geld mehr Freiheiten hat, etwa die Wahl, ob man Kaviarschnittchen oder doch lieber ein Leberwurstbrot essen möchte, ist trivial. Darum soll es auch nicht gehen.
In letzter Zeit tauchte öfters der Vorschlag auf, das Bargeld abzuschaffen, zuletzt vom “Wirtschaftsweisen” Peter Bofinger.
Die Vorteile, argumentieren die Abschaffer, lägen auf der Hand. Wenn es zu negativen Zinsen käme, was inzwischen keiner mehr ausschließt, könnten sich die Leute dem nicht entziehen, indem sie ihr Geld in die Matratze einnähen. Sie wäre gezwungen, es auszugeben – ein prima Ding für Leute, die mit Immobilien oder Gold handeln. Auch der Bankenrun würde ausbleiben, falls ein Geldinstitut ins Trudeln gerät, denn Geldabheben wäre unmöglich. Die Leute müssten einfach zusehen, wie ihr virtuelles Geld verdunstet.
Bofinger meint, wir würden auch zu viel Zeit vertrödeln, während Kunden an der Kasse ihr Bargeld zusammensuchen. Wer schon einmal erlebt hat, wie jeder in der Schlange vor ihm seinen Zehn-Euro-Einkauf mit Karte bezahlt hat, der weiß, dass das völliger Unsinn ist. Keine Kassiererin ist so langsam wie die Verbindung zu irgendeiner Bank.
Außerdem würde es Kriminalität, Korruption und Schwarzarbeit verhindern … und einfallslose Geburtstagsgeschenke in Form eines Fünfzig-Euro-Scheins. Kriminalität und Korruption würden, da darf man sicher sein, andere Wege finden. Siemens hat es vorgemacht und seinen Betriebsratsvorsitzenden nach Brasilien und ins Bordell eingeladen. Gold und Diamanten sind einigermaßen wertbeständig, und selbst ein Kilo Kupfer hat einen definierten und nicht geringen Gegenwert. Das wäre ein wenig spekulativ, aber praktikabel. Man könnte auch ein Haus unter Wert verkaufen, weil man vom Marktpreis leider so gar keine Ahnung hatte und annahm, im Neubau säße seit Jahren der Schwamm in den Wänden. Und wenn man die Knete gleich auf ein Konto in Luxemburg oder der Schweiz überweist, hat man auch kein Problem.
Falls der arbeitslose Kumpel einem beim Tapezieren hilft, könnte man allerdings keinen Schein mehr rüberreichen. Ein Geldgeschenk für das HartzIV-Kind? Da muss ein besserverdienender Verwandter den Treuhänder machen, selbst wenn es nur um ein Eis geht. Finanzielle Unterstützung für die Oma in Grundsicherung? Bloß nicht. Dann lieber in Naturalien wie Brot und Kartoffeln! Diese asozialen Akte der Solidarität könnte man wirklich effektiv unterbinden, vom Betteln in der Fußgängerzone ganz abgesehen.
Das ist aber noch nicht alles. Ein Geldschein hinterlässt keine Spuren. Er ist anonym. Ob du Alkohol damit kaufst, Schmerztabletten, Hämorrhoidensalbe oder Kondome – keiner kann es wissen. Anders ist das bei der Geldkarte. Die Payback- und Kundenkarten wären schlagartig überflüssig. Wer wann was gekauft hat, könnte man problemlos immer und überall kontrollieren. Die Autobahnmaut überwacht unsere Bewegungen. Die Abschaffung des Bargeldes würde uns zum gläsernen Bürger machen, der keinerlei Geheimnisse mehr haben kann. Große Datenmengen sind längst kein Problem mehr. Du hast Unkrautvernichtungsmittel für deine Tomatenpflanzung gekauft, Benzin getankt und noch nicht jede leere Flasche recycelt? Und ein Feuerzeug hast du auch noch gekauft? Uh uh, das sieht böse aus für dich. Am Ende auch noch Holzkohle für die Gartenparty? Bist du sicher, dass du keine Bombe bauen willst? Ja? Wahrscheinlich hat es dir dein Unterbewusstsein nur noch nicht verraten. Aber der Verfassungsschutz wird es dir schon erklären.
Du kannst bequem mit dem Handy bezahlen – und bekommst bequem die maßgeschneiderte Werbung dazu. Du hast Nudeln gekauft? Dann brauchst du gewiss auch Tomatensoße, oder? Ein neuer Sport-BH, Größe 90 B? War das nicht letztens noch 85B? Du solltest abnehmen – hier kommt die Adresse des nächsten Fitnessstudios. Und Turnschuhe hast du doch gewiss auch nötig? Gibt es gleich um die Ecke!
Bargeld ist Freiheit und Anonymität. Lasst es euch nicht wegnehmen, nur weil es mit Karte oder Handy so herrlich bequem ist. Freiheit ist immer unbequem, wenn sie nicht die eine oder andere Million mitbringt.

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Alles Optik oder was?

Ich bin Optikentwickler. Optik ist die Lehre vom Licht, glauben Physiker, oder auch von Geräten, mit denen man Licht manipuliert, oftmals Objektive genannt. Sie bestehen in aller Regel aus Glas, in seltenen Fällen auch aus Spiegeln oder Metall – dann ist es Röntgenoptik.
Die Dummschwätzer der Werbebranche sehen das anders. Was gibt es da nicht alles an Optiken! Felloptik, Holzoptik, Steinoptik, Used-Optik, Edelstahloptik … Es vergeht keine Woche, ohne dass man mich mit derartigem Schwachsinn quält.
Der Preis für den Mumpitz der Woche geht diesmal an Norma:

Rostoptik

Nicht nur, dass Rostoptik Unsinn ist, jetzt ist Rost auch noch edel. Bei uns hätte es geheißen: Der vergammelte Mist kommt mir nicht ins Beet! Da steht außerdem schon der Ginster, und zwar in voller Blüte. Sieht echt besser aus.
Wie wäre es denn statt dieses Werbe-Dummsprechs mit der Wahrheit: Gartenkugel. Nicht mal der Rost ist echt.

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Neues Ministerium

Die Ostthüringer Zeitung kürte vor Kurzem den “Dezernenten für Nebensachen“. Das war boshaft, aber nicht unverdient.
Wahrscheinlich lag es daran, dass mich beim folgenden Anblick spontane Heiterkeit befiel:

Minister_PackungenUm diesen Post aber nicht völlig im Unsinn versacken zu lassen: Vor 12 Jahren führte man das Dosenpfand ein, um die Einwegverpackungen vom Markt zu drängen. Die Mehrwegquote lag damals bei 64 %. Auf 80 % sollte sie steigen. Heute liegt sie bei 47.5 %, weil bei den Pfand-aber-nicht-Mehrweg-Flaschen selbst gutwillige Menschen nicht mehr durchsehen. Ein gutes Beispiel für nicht zu Ende gedachte Gutmenschen-Reformen. Was im Lande verkauft wird, bestimmen die großen Handelsketten, und denen ist das Mehrwegsystem zu aufwendig. Darüber hätte man mal nachdenken sollen.
Vielleicht wäre ein Minister für Verpackungen also gar nicht so falsch. Um es das nächste Mal richtig anzufassen.

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Ab in den Wald!

WaldbuchDie heutigen Kinder kommen viel zu selten in den Wald! Da waren sich die Wald- und Wiesenautoren des Thüringer Schriftstellerverbandes einig. Die gehen selbst gern einmal im Grünen wandern. Und wenn sie mit dem Zustand der Welt unzufrieden sind, dann nölen sie nicht nur rum, sondern tun, was Autoren so tun: schreiben. Im konkreten Fall ein Buch über den Wald, Zielgruppe etwa 10 Jahre. Da gibt es Geschichten über Luchse, Eulen und Krähen, über Wildschweine, Ameisen und Kinder, jeweils garniert mit einem kleinen Infotext zum Thema. Allerdings gibt es keinen Infotext, merke ich gerade, zum Thema “Kinder”. Dafür aber Gedichte von Ulf Annel, der das mit den Reimen tatsächlich hinbekommt – und ohne dass es peinlich wirkt. Ich bin beeindruckt, denn dieses Talent geht mir völlig ab.
Meine Lieblingsgeschichten sind “Immer der Nase nach” von Jörg Dietrich und “Der Sturz vom Krötenkopf” von Siegfried Nucke. Erstere erzählt von Fuchs und Dachs und einem Wunderbaum “Grüner Apfel”, der den ganzen Wald – nun ja – verstänkert. Das ist sehr witzig erzählt. Die zweite auch. Die allerdings hat die Pilzmücke zum Helden, und die möchte endlich auch einmal vom Nationalparkranger fotografiert werden. Ich wusste noch nicht einmal, dass es Pilzmücken gibt, obwohl ich natürlich weiß, dass es wurmige Pilze gibt. Wieder was gelernt. Und ich werde demnächst wieder seltsame Dinge fotografieren. Dann bleiben die Leute stehen, schauen sich um und denken: Was zum Teufel gibt es hier denn zu sehen?
Ich selbst habe auch ein Abenteuer beigesteuert, und meine Waldbewohnerin ist, wie sollte es anders sein, eine phantastische: ein Erdweibel, dass sich über einen verirrten Jungen amüsiert, aber nicht ohne ihn am Ende auf den rechten Weg zu leiten. Früher gab es die häufiger in Thüringen, als es noch dunkle Wälder gab, in denen sich auch Erwachsene verliefen. Es war ein Spaß, das zu schreiben, und nebenbei lernte ich, dass man in Bayern auf Ahornbäumen herumkriecht und Schmetterlinge zählt. Über 60 Arten hat man da gefunden. Ach ja, und Feldahorn-Blätter kann man sauer einlegen – und essen.
Das Allerbeste am Buch aber sind die witzigen und liebevollen Illustrationen einer Weimarer Graphiker-Gruppe namens ZEICH MAL. Das machen sie sehr gut. Nur traurig, dass es nicht auch noch zu Farbe gereicht hat. Das wäre noch viel, viel schöner. Das Artikelbild stammt von Alexander von Knorre.
Kurzum, es ist ein wirklich schönes und intelligentes Buch geworden, und wenn es keinen Appetit macht auf Wald, dann hilft wirklich gar nichts mehr.

Zehn Sekunden Werbung: “Bis bald im Wald” ist im KLAK-Verlag erschienen und überall, wo es Bücher gibt, für 12.90 € zu kaufen.

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Lügen, dass sich die Balken verlängern – die CDU Thüringen

Die Thüringer CDU gehört eindeutig zu den schamlosesten und schmierigsten Manipulatoren von Wahrheit. Der monatlich im “Allgemeinen Anzeiger” erscheinende Fraktionskurier erzeugt bei gesunden Menschen regelmäßig Schwindelanfälle. Diesmal erfreut uns die 2014 abgewählte CDU mit einer Statistik zum Haushalt:

Haushalt_TH_CDU

Die Balken suggerieren: von 2014 auf 2015 schnellen die Ausgaben in Thüringen um nicht weniger als 150 % in die Höhe (von 12 mm auf 30 mm Säulenhöhe). Ein Skandal und ein Zeichen dafür, dass Rot-Rosa-Grün nicht wirtschaften kann, sondern das Land gnadenlos in den Ruin treiben wird. Beispielsweise wollen die Kommunisten nach Jahren der Einsparung endlich mal ein paar Lehrer einstellen. Geht gar nicht!
Wer mit Zahlen einigermaßen umgehen kann, reibt sich verwundert die Augen: Ist 9272 wirklich mehr als doppelt so viel wie 8953? Nein, ist es nicht. Tatsächlich steigt der Haushalt um spektakuläre 3.6 %. Dass klingt aber nicht so dramatisch.
Und so sieht es aus, wenn man die Achse auf die Null legt:
Haushalt_TH
Äh ja, wir sind also genau da, wo die CDU in ihrer Herrlichkeit 2009 war, und zwar auf die Million genau. Da gibt es so ein Dings namens Inflation, aber darüber wollen wir mal nicht reden. Fakt ist: Nachdem die CDU-SPD-Regierung 2010 die Kosten ordentlich in die Höhe getrieben hatte, hat sie dann dekorativ gespart – unter anderem an den Lehrern. Und eigentlich schwankt das alles im niedrigen Prozentbereich.
Wenn ihr uns schon belügt, dass sich die Statistik-Balken verlängern wie Pinocchios Nase, ihr einfallslosen Pappnasen, dann gebt euch wenigstens mehr Mühe damit! Diesen Mumpitz kann jeder Grundschüler in der 4. Klasse nachrechnen.

Wer zum Thema “Lügen mit Zahlen” mehr wissen möchte – da gibt es ein bezauberndes Buch und ein Blog von Gerd Bosbach.
Die Zahlen ab 2005 stammen aus den jeweiligen Haushaltsplänen, die das Finanzministerium getreulich veröffentlicht.

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Gender und Ingenieure

173 Professuren für Gender-Forschung gab es 2011 in Deutschland. Dass es seitdem weniger geworden sind, ist kaum anzunehmen. Setzt man bescheidene vier bis fünf Mitarbeiterinnen pro Professorin an (es sind fast ausnahmslos Frauen, auch wenn manche lieber als Profx angesprochen werden möchten), dann forschen um die 900 Wissenschaftlerinnen daran herum, wie die Gesellschaft geschlechtliche Identitäten konstruiert.GenderChanger
“Warum eigentlich wie und nicht ob?”, fragt der Physiker in mir, der gelernt hat, dass sogar die Tatsache, dass 1 größer als 0 ist, eines Beweises bedarf. Thesen sind zu beweisen, egal wie erwünscht das Ergebnis ist.
Die 900 Wisschaftlxe haben das Gender-Problem jedenfalls nicht gelöst, sondern allenfalls noch weiter verkompliziert. Wie man junge Frauen für Naturwissenschaft und Technik begeistern könnte – dazu haben sie nichts beizusteuern. Vielleicht sollten sie mal bei den Kollegen von den Ingenieurwissenschaften vorbeischauen. Die haben eine verblüffend einfache Lösung für das Gender-Problem gefunden. Gibt es für ein paar Euro zu kaufen.

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Suboptimal

Wald
Ob man Kinder einfach so allein in den Wald gehen lassen sollte, fragt die Frau vom mdr, und ich bejahe nachdrücklich. Ich habe Wochen und Monate meines Lebens in den Waldhufen* rings um mein Heimatdorf Mohsdorf zugebracht. Beim Herumdenken denke ich später: Das war natürlich suboptimal. Ich hätte in dieser Zeit etwas Nützliches tun können.
Aber in den 70er Jahren, in Sachsen und auf dem Dorf sah es mit der optimalen Talenteförderung eher trübe aus: keine Fremdsprache ab dem dritten Lebensjahr, kein Klavierunterricht, keine Kunstschule, keine Hochbegabtenförderung in Mathematik und schon gar kein Tennisplatz. Ich war eins der drei Mädels in der Leichtathletik, fuhr alle zwei Wochen einmal zum Mathezirkel in die Stadt – und trieb mich ansonsten herum.
Wir spielten in der Bach (bitte keine Grammatikhinweise – jeder andere Bach ist natürlich männlich, aber nicht die Bach bei uns im Dorf!), kletterten auf Bäume, suchten zwischen Kuhfladen Pilze und futterten Brunnenkresse aus einem Bach (männlich), Sauerampfer, die Maiwüchsel der Fichten und irgendein Zeug, das möglicherweise wilder Knoblauch war. Ich habe mir regelmäßig die Hosen an den Brombeeren zerfetzt, und ich habe mich nach Kräften eingedreckt. Wir zerlegten auch eine Autobatterie, die irgendwer auf einer wilden Müllkippe abgelagert hatte. Letzteres erscheint mir heute bedenklich. Sie war übrigens weniger aufregend als erwartet.
Klingt das nach der optimalen Frühförderung für einen promovierten Physiker? Eher nicht, bis auf die Batterie vielleicht. Zu jener fernen Zeit waren freilich auch noch alle überzeugt, ich würde einmal Zoodirektor werden. Es kam aber auch niemand auf die Idee, den Zoodirektor in mir zu fördern.
“Wir hätten dann vor allem den Weißdorn da im Bild”, sagt die Frau vom mdr.
“Das sind Schlehen”, scheiße ich klug. Ich könnte noch hinzufügen, dass der Dompfaff mit Begeisterung die Blüten abfrisst oder dass man prima Obstwein daraus machen kann – natürlich nach dem ersten Frost.
Wenn man mich optimal gefördert hätte, würde ich nicht mit einem Kamerateam des mdr auf dem Trockenrasen der Ammerbacher Platte sitzen. Denn da reden wir über ein Kinderbuch und über den Wald.

* Das ist eigentlich Blödsinn. Es heißt Waldhufendorf, aber von der Wortherkunft wäre die Waldhufen die Bauernhöfe. Die Restwaldstücken rings ums Dorf heißen in der Gegend “Busch” und bestehen praktisch nur aus Waldrand. Gerade deshalb sind sie viel spannender als die Fichten-Monokulturen des sächsischen Nutzwaldes.

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