Rahmenhandlung: Wer Rom anzündete

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und manchmal sogar das Falsche.
Leider ist das keine neue Erfahrung, sondern hat eine endlose Tradition. Man erinnere sich an den tränenreichen Auftritt einer kuwaitischen Krankenschwester im US-Kongress, die berichtete, irakische Soldaten hätten Säuglinge aus den Brutkästen gerissen und zu Boden geworfen. Die junge Frau war die Tochter des Botschafters und nie auf einer Geburtsstation gewesen (außer bei ihrer Geburt).
Die deutsche Beteiligung am Krieg gegen Serbien wurde unter anderem mit Konzentrationslagern im Kosovo begründet. Es gibt ein bekanntes Foto von ernst blickenden Menschen hinter Stacheldraht dazu. Sehr eindrucksvoll. Blöd nur, dass es der Stacheldraht um ein NATO-Militärlager war und die Leute von außen hinein schauten. Das allerdings hat man erst viel, viel später erfahren.
Es gibt nichts, was im Internet nicht dreister und widerlicher ginge. In Australien brennt der Wald. Einer Menge Leute dämmert, dass daran vielleicht doch die extrem lange Dürre schuld sein könnte, dass Dürre etwas mit Klima zu tun hat und dass man deshalb Maßnahmen ergreifen sollte. In dieser Situation schrecken Klimawandelleugner nicht vor Lügen zurück.

Brandstifter
Der beabsichtigte Rahmen: Wer für mehr Klimaschutz eintritt, der nimmt dafür auch riesige Waldbrände, tote Feuerwehrleute und tote Kängurus in Kauf – es sind also widerliche Kreaturen, die man am besten erschießen sollte. Der Tweet hat sich entsprechend rasend verbreitet und zu vorhersehbaren Kommentaren geführt. Fridays for Future sind Terroristen, Faschisten und Mörder.
Die Sache hat einen Haken. Das Video mit den drei jungen Brandstifterinnen wurde nicht am 3. Januar 2020, sondern am 3. Januar 2018 – vor zwei Jahren – aufgenommen. Sie waren weder die Verursacherinnen der derzeitigen Waldbrände noch Aktivistinnen von Fridays for Future – denn Greta Thunbergs erster Schulstreik fand am 20.08.2018 statt, und die erste internationale Aktion gab es im März 2019. Die drei Knalltüten haben mit nichts irgendetwas zu tun. Die Polizei kennt ihre Identität nicht, und da sie keine Transparente oder FFF-T-Shirts dabei haben, weiß niemand, was in ihren wirren Gehirnen vorging. Wahrscheinlich war es der übliche Schwachsinn – Langeweile, Frust in der Schule, Zoff mit den Eltern und mangelndes Vorstellungsvermögen.
An dieser Stelle wird es bizarr. Mehrere Menschen haben darauf hingewiesen, dass die Meldung alles andere als aktuell ist, und ich habe kurzerhand den Originalartikel verlinkt. Reaktion der Klimaaktivisten-Hasserfront: Uns doch egal, es geht um die grundsätzliche Einstellung, die gehen über Leichen, und außerdem waren die vor zwei Jahren auch schon Scheiße.
Mit anderen Worten: Man kann Fridays for Future jeden Brand der Weltgeschichte anhängen. Als Rom niederbrannte, waren die meisten noch gar nicht geboren? Egal, auf die Einstellung kommt es an.

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Rahmenhandlungen: Mit der Wahrheit lügen

Aus irgendeinem Grunde scheinen englische Begriffe viel griffiger zu sein als deutsche und im Zweifel auch etwas ganz anderes zu bedeuten. Auf Arbeit gehe ich regelmäßig die Decke hoch, wenn einer fragt, wer das Problem denn eigentlich ownt. Nicht wer verantwortlich ist für den Schlamassel.
Eine ähnliche Vokabel ist Framing – seit „Zusammenhang“ nicht mehr reicht. Framing ist eine Art, mit der Wahrheit zu lügen, indem man Dinge aus dem Zusammenhang reißt oder in einen anderen stellt oder einfach per Wortwahl Dinge suggeriert, die es vielleicht, vielleicht aber auch nicht, gar nicht gibt.

„Die Regierung musste bewaffnete Polizei gegen die Randalierer einsetzen, um Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.“
„Das Regime unterdrückte die Demonstrationen mit schwer bewaffneten Spezialkräften.“

Noe

Das beschreibt mehr oder minder den gleichen Vorgang: da die aufgebrachte Menge, die gegen die Obrigkeit auf die Straße geht, auf der anderen Seite die Obrigkeit, die mit Polizei das Gewaltmonopol behauptet. Der Unterschied besteht einzig in der Wortwahl. Was ist Regime, was ist Regierung? Das entscheidet sich nach politischer Opportunität. Sind wir auf das Regime angewiesen? Dann ist es eine Regierung. Neigt die Regierung dazu, Banken und Ölquellen zu verstaatlichen? Dann ist es ein Regime.
Menschen, die mit ihrem Teil des Globus gern von einer größeren politischen Einheit unabhängig wären, sind je nach Sympathie für das Große und Ganze entweder Unabhängigkeitsbefürworter (eher neutral), Oppositionelle (eher positiv) oder Separatisten (definitiv negativ). Und jetzt die Hunderttausend-Euro-Frage: Welche davon zünden Barrikaden an und schlagen Schaufenster ein? Überraschung – das sind nicht die Separatisten, sondern die Oppositionellen, zumindest wenn sie Hongkonger sind. Und welche setzen auf demokratische Abstimmungen? Spannenderweise die Separatisten in Katalonien und die Befürworter in Großbritannien.
Iran ist notwendigerweise das „Mullah-Regime“ – das reflexartig zur Besonnenheit gemahnt wird, wenn „unsere Verbündeten“, die USA, mal eben einen General in die Luft sprengen, weil ihnen danach ist und sie es können. Sollten wir nicht die USA zur Besonnenheit mahnen, die gar nicht erst vorgeben, keine Atomwaffen zu bauen, sondern im Gegenteil ganz offen damit herumdrohen? (Und nein, ich finde einen islamischen Staat nicht besonders sympathisch. Ich bin für Säkularismus. Apropos: Wir werden von einer religiösen Partei regiert, und Vereidigungen für Staatsämter enthalten häufig einen Bezug auf Gott. Hat schon jemand den Begriff „Pfaffen-Regime Deutschland“ gehört – etwa als ein Pfaffe Bundespräsident und eine Pfaffentochter Kanzlerin war?)
Wenn Russland in Syrien den IS bombardiert, ist das russisches Großmachtstreben. Schickt Deutschland Tornados in Kriegsgebiete, dann übernimmt es Verantwortung.
Die Rahmen-Worte appellieren am Gehirn vorbei an die Gefühle, an leicht abrufbare Vorurteile, die man nur oft genug wiederholen muss, bis sie sich praktisch automatisch einstellen. Man sollte öfters aus dem Rahmen fallen.

(Den bockigen Maulwurf verdanke ich einem Barcamp im Lobedaer „Treffpunkt“, aber ich habe leider keine Ahnung, wie der Zeichner hieß. Danke – ich liebe das Biest.)

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Paradies 1.12: Hinterteile

Ich gehöre nicht zu denen, die zu Neujahr ins Wasser springen müssen. Aber bei entsprechendem Wetter kann es vergnüglich sein, anderen dabei zuzusehen. Also ab ins Jenaer Paradies.
Da gibt es etwas, was wir mangels Eindeutigkeit „das Tauchhühnchen“ nennen. Es ist meistens unter Wasser. Ab und zu taucht es auf, und ehe man es mit der Kamera angepeilt hat, ist es wieder weg. Außerdem ist es kamerascheu. Während es Spaziergänger ohne Kamera einfach ignoriert, schwimmt es sofort weg, wenn ich auftauche. Ich weiß nicht, wie es bemerkt, dass ich näher komme, während es selbst irgendwo auf dem Grund der Saale herummoddert. Vermutlich hat es ein Periskop, das ich noch nicht entdeckt habe. Inzwischen vermute ich, dass es sich um einen Zwergtaucher handelt.
Ein Schwimmhühnchen ist mutmaßlich eine noch nicht ganz erwachsene Teichralle. Das ist naheliegend, weil im Sommer eine Ralle mit einem Trupp Kücken durch die Saale paddelte.
Auch die Trockenvögel waren nicht sehr kooperativ. Angeblich gibt es im Paradies Mittel-, Klein- und Grauspechte. Aber wenn ich dort bin, zeigt mir der gewöhnliche Buntspecht seinen roten Hintern. Er baut gerade seine Wohnung aus.
Ansonsten gab es noch Schwanzmeise von hinten. Aber die ist wenigstens unverkennbar.

(wie immer: ein Bild anklicken, damit die Galerie geöffnet wird)

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Stille Post: Bif

BifWer hat sich noch nicht gewundert, warum im Englischen viele Worte merkwürdig doppelt besetzt sind? Warum die Taube mal dove und mal pigeon heißt oder die Schlange wahlweise snake oder serpent? Okay, vermutlich niemand außer mir. Aber ich finde, man sollte sich wundern. Unbedingt. Auch darüber, warum die Kuh, sobald sie auf dem Teller liegt, nicht mehr cow, sondern beef heißt.
Schuld sind, behauptet man in Dänemark, die Wikinger – zumindest zur Hälfte. Die andere Hälfte geht auf das Konto der Franzosen, die damals noch Gallier waren, und ihre ausgeprägte Unlust, andere Sprachen zu lernen. Wollten die Eroberer aus dem Norden Rinderbraten, dann mussten sie sich der Sprache der Eroberten bedienen, oder es gab nur leeren Teller und dumme Gesichter. Also lernten sie brav das Wort bœuf. Und vermutlich einige andere, pigeon etwa.
Dann eroberten sie die britischen Inseln. Es ist ihr Geheimnis, warum sie da nicht wieder zu oksekød zurückkehrten, sondern weiter bœuf verlangten. Vermutlich hatte sich in ihren behelmten Köpfen der Glaube festgesetzt, alle Fremdländer würden die gleiche Sprache, also Ausländisch, sprechen. Die mutmaßlich Angeln und Sachsen scheinen weniger verstockt gewesen zu sein. Allerdings rächten sie sich an der vermeintlichen Sprache der Eroberer, indem sie sie einangelten. Da wurde aus dem Rinderbraten beef, und er Geschmack des Bœuf bourgignon blieb gleich mit auf der Strecke. Aber vermutlich waren die Wikinger anspruchslos, solange die Menge stimmte.
Die späten Nachfahren der Angeln und Sachsen schleppten das roastbeef als kulturelle Errungenschaft zusammen mit dem Wort nach Neufundland (wo die Wikinger schon Jahrhunderte früher gewesen waren, aber nur wenig Eindruck hinterlassen hatten. Die spärlichen Reste liegen unter dem sumpfigen Boden, und Worte sind nicht dabei.). Viel Gelegenheit zur sprachlichen Entartung blieb nicht, denn mit den wenigen Beothuk, die da vorher gelebt hatten, sprach man kaum. Als sich der erste Europäer dafür interessierte, wie deren Sprache funktioniert, waren sie gerade ausgestorben.
Seit Neufundland zu Kanada gehört, muss brav alles englisch und französisch beschriftet werden. Aus dem roastbeef wurde rosbif, nicht bœuf roti. Und damit wären wir wieder am Anfang angelangt. Ich wundere mich, warum die französischen Kanadier das verballhornte Wort verballhornen, und schiebe das Wort oksekød in die Sammlung von Worten, die bestimmt mal zu irgendwas gut sind.

[Klassiker dieser Ausdrücke sind „Ander priser kan förkomma“, die schwedische Warnung, dass die Preise in der Broschüre inzwischen vermutlich gestiegen sind, „toute direction“ (da geht es überall hin) und „an lár“ (da geht es nur ins Stadtzentrum, und zwar in Irland). Alle drei entfahren mir immer mal wieder, wenn die Situation es verlangt.]

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Regenbogenrot

Der unbestreitbare Vorteil von Urlaub in feuchten Gegenden ist die hohe Wahrscheinlichkeit, irgendwo einem Regenbogen zu begegnen. Angeblich liegt an dessen Ende ja ein Töpfchen mit Gold in der Erde und am oberen Asgard. Bifröst, die Regenbogenbrücke, verbindet die Welt der Götter mit Midgard, der Menschenwelt. Glaubt man in Gegenden mit zu viel Wetter.
Dabei ist der Regenbogen nichts anderes als gewöhnliches Sonnenlicht, gut sortiert. Normalerweise kommt das Licht der Sonne ziemlich durcheinander bei uns an. Zwischen tiefem Ultraviolett und Infrarot ist alles dabei – natürlich auch die Wellenlängen zwischen 380 und 780 nm, die der Mensch sieht (Wer jetzt glaubt, dass das ein glücklicher Zufall ist, sollte einen Moment darüber nachdenken, wie groß die Überlebenschancen derjenigen Vorfahren waren, die Augen für absurde Wellenlängen von mehreren Metern entwickelt haben – Jahrmillionen vor Erfindung des Rundfunks …).
Jedenfalls ist das, was wir für Weiß halten, ein im Wortsinne buntes Gemisch von allem. Fällt es auf den Regen, dann wird das Licht in jedem einzelnen Tropfen gebrochen, an der Grenzwand zweimal totalreflektiert und beim Austritt noch einmal gebrochen. Die Brechzahl ist abhängig von der Wellenlänge: Blaues Licht wird stärker gebrochen als rotes, und so kommt es, dass der Regen das Sonnenlicht säuberlich in seine Farben zerlegt. Für kurze Zeit sehen wir, was alles in ihm steckt.
Wie viele Farben hat ein Regenbogen? Na?
Falsch. Die korrekte Antwort lautet: So viele, wie gerade verfügbar sind. Die Feuchtigkeit in der Luft streut das Licht auch, und bei Sonnenuntergang muss das Licht durch besonders viel erdnahe, feuchte Luft, um zu unseren Augen zu gelangen. Das blaue (auch das ultraviolette, aber was wissen wir schon davon …) Licht wird am stärksten gestreut. Es hat es echt nicht leicht. Der Rest kommt durch, je roter, umso mehr. Und deshalb ist der Regenbogen bei Sonnenuntergang rot, regenbogenrot.

(anklicken, damit die Regenbögen größer werden.)

PS: Unter normalen Umständen hat der Regenbogen unendlich viele Farben. Die Aufteilung in ordentliche sieben haben sich Leute ausgedacht, die meinen, das Sonnenlicht sei so etwas wie ein Farbkasten. Aber für absurde Farbtöne wie mauve, petrol oder türkis braucht man schon ein bisschen mehr. Wie wir alle schon einmal festgestellt haben, ist der Regenbogen zwar unbestreitbar bunt, aber die säuberlichen Farbstreifen lassen sich einfach nicht finden, weil zwischen grün und gelb unendlich viele Zwischentöne liegen.

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Angewandte Physik: Licht im Kühlschrank

Wir haben ein Umweltministerium. Statt ernsthafte Dinge gegen Erderwärmung, Sommerdürre und Bienensterben zu unternehmen, also Dinge, die bei den Großspendern der Partei schlecht ankommen würden, erfreut es die Menschheit seit einiger Zeit mit Energiespartipps von fragwürdiger Praxistauglichkeit.
Der Klassiker („Regeln Sie die Raumtemperatur im Zimmer nur 1°C herunter, und Sie können zig Kilowattstunden sparen“ – und zwar jedes Jahr, das Winter werden lässt) hat ein kleines Brüderchen bekommen: Regeln Sie die Temperatur im Kühlschrank hoch: Kuehlschank

Besonders spannend wird es, wenn man die Begründung dafür sieht. Draußen in der freien Natur wird es kälter, also kann es im Kühlschrank getrost etwas wärmer sein. Irgendwas gleicht sich im Mittel sicher aus … Blöd nur: Die Aufbewahrungstemperatur von Leberwurst, Hähnchenkeule, Camembert und Gurke hängt gar nicht von der Jahreszeit ab. Oder von der Temperatur im Vorgarten. Das Prinzip des Kühlschrankes ist es, Bakterien und Schimmelpilze an der Vermehrung zu hindern, indem er es ihnen ungemütlich kalt macht. Das kennt man von sich selbst – oder zumindest vom Hefeteig, der bei Kälte verstockt dasitzt und sich weigert zu gehen. Ich weiß nicht, ob sie sich beeindrucken lassen, wenn man die Nahrungsmittel vor der Einlagerung im Kühlschrank mal aus dem Fenster schauen lässt. Vielleicht werden Schimmelsporen vom nebelgrauen Novemberwetter auch depressiv.
Der größere Unsinn ist allerdings das völlige Ignorieren der Küche, die der natürliche Lebensraum der Kühlschränke ist. Die ist – zumindest bei mir – sommers wie winters etwa gleich warm. Im Winter vielleicht sogar wärmer, weil man wichtige Dinge wie Stollen oder Plätzchen backen muss. Wenn der Backofen heizt, tut es die Heizung entsprechend weniger. Dafür gibt es diese Dinger namens Thermostat. Man könnte natürlich auch die ganze Zeit das Fenster offen lassen, damit es der Kühlschrank angenehm kühl hat und Energie spart, aber irgendwas sagt mir, dass das in der Summe nicht besonders schlau ist.
Der Kühlschrank heizt übrigens auch die Küche, denn die Wärme, die er der Hähnchenkeule entzieht, landet direkt in der Raumluft. Das spart Heizung. Er ist nicht der optimale Heizkörper, aber auch alles, was der Kühlschrank an Elektroenergie verbraucht, wird zu Wärme. Das was im Sommer „schlechte Effizienz“ heißt, kann man im Winter einfach unter „Raumheizung“ abhaken. Die Frage ist nur, ob die Gasheizung das vielleicht billiger könnte.
Wenn wir mal kurz auf Absatz zwei zurückkommen … Wenn man die Raumtemperatur jedes Jahr ein Grad runterdreht, dann ist es in der Küche natürlich so kalt wie draußen, und dann kann man sich derzeit den Kühlschrank ganz sparen. Ansonsten könnte man noch das Licht im Kühlschrank abschalten, denn das erleichtert ohnehin nur den eingedrungenen Obstfliegen die Orientierung. Dann wird es automatisch kälter im Kühlschrank, denn wie wir alle wissen, ist es nachts kälter als draußen.

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Friseurinnen abschieben!

… und zwar konsequent.
Was man heute fälschlich als „Populismus“ bezeichnet, hieß früher mal „Demagogie“ und funktioniert am besten nach der Methode „Mit der Wahrheit lügen“. Am besten schmeißt man Äpfel und – nein, nicht Birnen, sondern mindestens Kohlköpfe – zusammen und rührt ein wenig Empörungssoße rein. Ein Herr Matussek hat das auf Twitter mustergültig vorgeführt:

Friseurin

Bei mir schaltete sich sofort die Hirnwindung für Mathematik ein, zählte und dividierte. Aha, stellte ich fest: 10 Friseurinnen bekommen im Monat stolze 5130 € Rente fürs Nichtstun, und zwar netto, während ich für die gleiche Summe – brutto – um die 170 Stunden gerackert habe und ein Durchschnittssyrer in einer Familie mit sieben Kindern und entsprechend Geschrei auf gerade mal 389 € kommt.
Damit ist klar, wer den Sozialstaat ruiniert: die gierigen Friseurinnen. Wir sollten sie konsequent abschieben. 5130 € netto dafür, dass sie aus dem Fenster gucken und tratschen. Und ich, promovierter Physiker, sehe den halben Tag keinen Strahl Sonne, weil ich im Messkeller sitze und die Rente dieser Sozialschmarotzerinnen verdiene.
Okay, ihr habt es inzwischen vermutlich begriffen. Nicht der eine Syrer bekommt irgendwas, sondern zehn, und zwar gerade mal das Existenzminimum, bei dem wir wissen, das Malbücher und Stifte für Kinder schon mal nicht enthalten sind, von Bildung für Erwachsene ganz zu schweigen. Aber wer sollte sich darüber aufregen?
Zu viel Wissen schadet der Empörung ebenfalls. Ende 2015, als die Flüchtlingswelle aus Syrien auf dem Höhepunkt war, notierte ich im Sozialausschuss Jenas, dass von den syrischen Flüchtlingen 30 % weiblich, 70 % männlich und 29 % Kinder waren. Wenn die 70 % Männer also alle je zwei Frauen haben, dann macht das 140 % Frauen. Und immerhin 490 % Kinder. Oder so ähnlich. Macht 700 % Syrer in Jena. Umvolkung erfolgreich abgeschlossen.

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