Bilder, Machtworte und eine englische Zukunft

Manchmal brauche ich einen Tritt in den Hintern. Als die Exodus-Redaktion fragte, ob ich nicht etwas zum Thema Klimawandel schreiben wollte, war es genau das. Ich habe geschrieben. Das Ergebnis kann man in „Der grüne Planet“ lesen, und das Ergebnis der Folgeanfrage in „Pandemie„. In aller Regel finde ich das Thema im ersten Moment grauenvoll, im zweiten habe ich das Gefühl, dass garantiert alle das Gleiche schreiben. Dann schreibe ich eine Geschichte. Dann schreibe ich noch eine Geschichte. Und dann schreibe ich mindestens noch eine dritte. Nach einigem Herumeiern schicke ich eine wirklich ab. Mitunter bleiben Reste übrig.

Als sich Uli Bendick, der den grünen Planeten illustriert hat, bei mir mit einem Experiment meldete, war die Zeit des Restes gekommen. Das Experiment: Uli schickte mir eine Unzahl von Science-Fiction-Bildern und bat, mir eins herauszusuchen und eine Story dazu zu schreiben. Die meisten Bilder machten mich ratlos. Sie waren irgendwie zu glatt, zu durchgestylt und zu kosmisch. Das fing nicht gut an. Dann stolperte ich über einen düsteren Schmetterling, und der erinnerte mich an die Gestalt eines Schmetterlingsforschers, der beim Klimawandel auf der Strecke geblieben war und in einem Ordner namens „halbfertiger Kram“, meinem literarischen Fegefeuer, herumdümpelte. Ich sehe ein, dass die Illustratoren immer dieses Problem haben: Unsereiner schreibt irgendwas zusammen, und sie können sehen, was sie daraus machen. Und dann nörgelt der Autor todsicher herum, dass es ihm zu lila ist und die Bäume zu künstlich aussehen. So oder so – die Schmetterlingsgeschichte „Stille Post“ gibt es in „Am Anfang war das Bild“ im Hirnkost-Verlag. Es ist ein Bilderbuch mit Bildern zu Geschichten zu Bildern.

Fast gleichzeitg meldete sich das dritte Exodus-Projekt „Macht und Wort„. Da war ich noch im Pandemiemodus. War ja auch mitten in der Pandemie. Ergebnis war eine ganz besondere Krankheit, ein politisches Kasperletheater und eine Welt, in der die Behinderten von gestern die Bevorteilten von morgen sind. Ich hatte viel Spaß dabei. Beide Bücher gibt es ab Oktober.


Nummer drei war eine Ausschreibung des BMBF zur Zukunft der Arbeit. Mit diesem Thema habe ich mich schon öfters herumgeschlagen, aber da es ein Forschungsprojekt war, habe ich es diesmal eher als Weltenbaukasten denn als Amoklauf aufgezogen. Aber tatsächlich hat dieses Buch eine Seite „Inhaltswarnungen“, und da taucht bei „Die Moralische Instanz“ unter anderem „Mord“ auf – wie bei fast allen anderen. Die Zukunft der Arbeit, lässt man SF-Autoren darauf los, wird gefährlich.
Wobei auch der Lektor mit seinem Leben spielte. Nicht nur, dass er jedesmal nörgelte, wenn meine von der Welt genervte Heldin aus der Rolle zu fallen versuchte, und mir kurzerhand den LETZTEN Absatz umschrieb, ohne das irgendwie zu erklären – er zimmerte mir auch noch falsche Kommata in den Text! Ich habe einmal im Leben die Diva gespielt und ihm erklärt, was ich davon halte, letzte Absätze umzuschreiben. Und darauf bestanden, dass mein Beruf Physiker und nicht Physikerin ist. So viel Exzentrik muss sein.
Das Buch „FutureWork„, das aus unklaren Günden nicht „Künftige Arbeit“ heißen durfte, versteht sich als Fachbuch mit literarischen Partikeln. Es gibt viel Theorie, aber keine Bilder. Der akademische Essay von Julia Grillmayr fokussiert sich nach einem Einstieg über Karel Capeks „RUR“ auch nur auf angloamerikanische SF – und versteigt sich zu der Behauptung, Zukunftsszenarios zur Arbeitswelt gäbe es in der deutschsprachigen SF eher selten. Das sagt wenig über die deutsche SF-Szene und viel über ihre Lesegewohnheiten.
Das Buch ist also speziell. Aber die Literatur darin ist lesenswert. Der geschätzte Kollege Steinmüller ist auch dabei. Die pdf-Version gibt es übrigens kostenlos, das Papierbuch ist recht teuer.

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Bilder, Machtworte und eine englische Zukunft

  1. Ossiblock schreibt:

    „Mit diesem Thema habe ich mich schon öfters herumgeschlagen,“

    So spricht man in Österreich und der Schweiz. In der deutschen Sprache heißt es „öfter“ – ohne ein überflüssiges „s“.

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