Verschwunden: Burgen und Köhlerliesl

Der Zeitzgrund ist spannenderweise nicht in der Nähe von Zeitz, sondern in der Nähe von Bollberg, und das liegt bei Quirla an der A4. Es gibt da den Bahnhof, um den herum noch drei Häuser stehen, von denen eines am Zusammenfallen ist. Und einen Wanderweg. Der führt knapp 11 km durch Thüringer Mischwald, der nicht der Thüringer Wald ist.
Als Höhepunkte der Wanderung sind die Kleine und Große Rabsburg gelistet. Für Archäologen ist es sicher extrem spannend. Allerdings sieht man von der einen wenig und von der anderen nicht viel. Es sind ein paar Mauern im Wald, die ebensogut ein alter Kuhstall gewesen sein könnten.
Die Zeitz, ein Gewässer von den Ausmaßen eines Dorfbaches, hat über ein paar Millionen Jahre ein beeindruckendes Tal in den einstigen Meeresboden des Thüringer Meeres gesägt. Sogar ein paar Mühlen haben sich in früheren Jahrhunderten dort angesiedelt. Heute wohnen da Biber, die sich zwar nicht sehen lassen, aber unübersehbar schadnagen und Bäume fällen.
Oben auf der Höhe gibt es Weymouth-Kiefern, die hier eigentlich nicht hingehören. Sie sind in Nordamerika zu Hause und sollten möglichst dort bleiben. Erkennbar sind sie an den Zapfen, die so ganz anders aussehen als Kienäpfel, die in Thüringen auch „Kusteln“ heißen. Es sind eher Kiengurken.
Der Weg ist mäßig ausgeschildert. Die hübschen grün-weißen Wanderwegschilder scheinen wie andernorts in Thüringen aus Zeiten flächendeckender Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu stammen. Das ist um die 25 Jahre her. Irgendwann werden sie verschwunden sein. Die meisten Leute wandern ohnehin dort, wo die Mühlen stehen, die einen Imbiss verheißen. Der Saale-Holzland-Kreis würde zwar gern ein wenig am Inlandstourismus teilhaben, hat aber keine Ahnung, wie das geht.
Hat man als Wanderer alles richtig gemacht, kommt man am Modell eines Teerofens vorbei. Das Köhlerliesl ist allerdings schon lange in die Stadt abgewandert. Die Holzkohle für die unzähligen Thüringer Bratwurstroste wird vermutlich aus Südosteuropa importiert. Dabei könnte man ganz gut das Holz verkohlen, das der Biber bei seiner Schadnagerei übrig lässt, denn er interessiert sich nur für die Verpackung des Baumes.

(Auf eins der Bilder klicken, um die Galerie zu öffnen.)

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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